Drama eines Konvertiten

Hannover, Verdi: Otello

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Kein Grund zum Schwarzsehen: In Hannover bietet das Niedersächsische Staatstheater die Geschichte vom Mohren von Venedig zwar gleich im Doppelpack, aber sowohl im Schauspiel wie in der Oper gibt es zum Saisonauftakt mehr nackte als schwarze Haut zu erleben. Im Staatsschauspiel präsentierte Regisseur Las-Ole Walburg Shakespeares «Othello» mit einer Titelheldin (!), die sich erst zum Mord an Desdemona mit schwarzer Körperfarbe eingeschmiert hat.

Und in der Staatsoper, wo der neue Intendant Michael Klügl zwei Tage später mit Verdis «Otello» startete, erzählt Nicolas Brieger die Geschichte eines Renegaten, nicht die eines Andersfarbigen. Bei ihm ist Otello ein zum Christentum übergetretener Moslem, der aber mit zunehmender Geistesverwirrung wieder in die alte Religionsrolle zurückfällt:  Dieser Otello ist jemand, der sein Krummschwert an die Stelle hängt, an der das Kruxifix hing, ehe es beim Racheduett zu Bruch ging; der von Jago eine Fes-Attrappe vorgehalten bekommt, wenn er sich eifersüchtig zum Narren macht; der Desdemona im Beichtstuhl vergewaltigt. Dies aber wird weniger drastisch vorgeführt, als es den Jahren unter Albrecht Puhlmann an der hiesigen Staatsoper gelegentlich (vor ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Rainer Wagner

Vergriffen
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