Orchesterfusion im Südwesten? Ein Kommentar
Lajos Lencsés, Solo-Oboist des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart des SWR (RSO) von 1971 bis 2008, war «schockiert», als er in Südfrankreich aus der Presse erfuhr, was seinem ehemaligen Orchester droht: die Fusion mit dem SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg (SO). Peter Boudgoust, der Intendant des Südwestrundfunks, hatte Anfang Februar den Verwaltungsrat informiert, dass es angesichts der Finanzlage – bis 2020 muss der SWR 166 Millionen Euro sparen – «keinen Schutzzaun» mehr um die Klangkörper gebe.
In den ersten Tagen nach Boudgousts Ankündigung herrschte erst mal Stille im SWR-Orchesterland. Die Musiker des SO erfuhren von der neuesten Entwicklung vier Tage vor dem Aufbruch nach Japan: der ersten Tournee mit dem neuen Chefdirigenten François-Xavier Roth. Da hätte man den Kopf lieber für Beethoven und Mahler frei gehabt. Eines war klar, so ein Mitglied des Orchestervorstands, eine Fusion werde man nicht akzeptieren. Doch eine breite Protestwelle blieb vorerst aus. In Stuttgart schrieb der Förderverein des RSO (der mitgliederstärkste aller deutschen Rundfunkorchester) die Politiker im Rundfunkrat an, der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum stellte dem Sender und ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Götz Thieme
Das Bühnenbild im Kölner Palladium ist denkbar einfach: die Fassade und die bescheidenen Interieurs eines kleinen Fünfziger-Jahre-Hauses auf runder Drehscheibe. Es ist Nachkriegszeit, die «dunklen Jahre» werden verdrängt, knallbunte Kostüme signalisieren neue Lebenslust. Man hat sich eingerichtet: Freunde, Bekannte und jene drei «Freier», die um Frau Penelope...
Ohne den notorischen BIC-Stift, der ihm oft als Dirigentenstab dient und irgendwie zu seinem Markenzeichen wurde, sondern mit bloßen Händen formend, schraffiert René Jacobs in vertikal wippenden Arm- und Körperbewegungen Glucks «Telemaco»-Musik sozusagen in den Raum. Wobei das Ganze, will man den Vergleich weiterspinnen, eher auf eine zart aquarellierte Zeichnung...
Sie war schon immer ein bisschen anders als die anderen. Hat sich um Erwartungen und Etikette nie geschert, wenn sie mit ihrer Alte-Musik-Kapelle im Halbkreis rockte. Und dabei Barockharfe, Psalter, Zink und Theorbe auf Forschungsreise schickte, um alles Mögliche zu suchen, um Neuland zu entdecken, nicht zuletzt für ihre CDs. Bei Monteverdi hat sie ein «Teatro...
