«Ich bin kein Übelnehmer»
Sir Neville, Sie waren einer der wichtigsten Dirigenten der Sechziger- bis Achtzigerjahre – bis die Spezialisten der Alten Musik kamen und Ihnen das Repertoire entrissen. Haben Sie mit denen eine Rechnung offen?
Nein, ich war eher erfreut. Der Siegeszug der historischen Aufführungspraxis hatte zur Folge, dass wir uns fortbewegen konnten und nicht immer dasselbe Repertoire rauf und runter spielen mussten. Wir konnten uns dem 19. Jahrhundert zuwenden. Und der Oper! Das hatten wir uns vorher nicht getraut.
Freilich bin ich immer noch dafür, die Musik nicht zu kalt aufzuführen. Und nicht zu zurückhaltend. Ich glaube, dass Barockmusik mit mehr Gefühl musiziert werden muss, als das bei heutigen Ensembles der historischen Aufführungspraxis der Fall ist.
Ihre Verdienste um die Ausgrabung vergessener Werke sind enorm. Man könnte sagen: Sie haben das Bett gemacht, in dem sich dann die Spezialisten der Alten Musik tummeln sollten ...
Stimmt (lacht.) Aber das macht mir nichts aus. Übrigens gibt es zwischen der Academy of St Martin in the Fields und späteren Spezialensembles keine feste Grenze. Christopher Hogwood war viele Jahre hindurch unser Cembalo-Spieler. Als er sich entschied, die Academy ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2014
Rubrik: Interview, Seite 40
von Kai Luehrs-Kaiser
Genau hundert Jahre mussten nach dem Tod von Hector Berlioz vergehen, ehe sein musikdramatisches Hauptwerk «Les Troyens» im Jahr 1969 endlich ungekürzt zur Aufführung kam. Seitdem wurde das gewaltige, nur noch durch Wagners «Ring» übertroffene Epos an allen großen Opernhäusern der Welt gespielt, zuletzt in der Inszenierung von David McVicar und unter der...
Das alte Holz knarzt, die Treppenstufen geben leicht nach, trockene, würzige Luft zieht durch den Raum. Ein Raum, der im Wesentlichen noch so erhalten ist wie zur Entstehungszeit um 1680. Der Besuch im Ekhof-Theater im Gothaer Schloss Friedenstein ist ein Erlebnis für alle Sinne, für Augen, Ohren und Nase – und auch für die Hände, die behutsam über die Maserung...
Zwei prominente Urteile über Richard Strauss gibt es, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Er sei «ein so fabelhaft unraffinierter Mensch», meinte sein Librettist Hugo von Hofmannsthal 1909 über ihn in einem Brief an Harry Graf Kessler, und habe «eine fürchterliche Tendenz zum Trivialen, Kitschigen in sich». Gut zwei Jahrzehnte später schrieb der nächste...
