Aus dem Geist des psychologischen Kammerspiels
Nikolaus Lehnhoff zählt zweifelsohne nicht zu jenem Typus des Opernregisseurs, der sein Heil in plakativen Gesten oder in schrillen Bildern sucht. Lehnhoff interessiert weniger die Außenseite der Figuren als vielmehr die – meist subkutan wirkenden – emotionalen Kräfte, die sie ins Glück oder ins Elend stürzen. Ausgangspunkt seines szenischen Denkens ist stets der wache Sinn, das feine Gespür für die unendlich differenzierte Farbskala der menschlichen Seele.
Ob Lehnhoff Wagner, Strauss oder Janácek, Beethoven, Berg oder Schreker auf die Bühne bringt – alles scheint bei ihm aus dem Geist des psychologischen Kammerspiels geboren. Man muss schon sehr genau hinschauen, um sich die subtile Charakterisierungskunst dieses Regisseurs zu erschließen.
Insofern ist es meist ein besonderes Glück, wenn eine Lehnhoff-Produktion für die TV- und DVD-Verwertung mitgeschnitten wird. Denn was – eine kluge Disposition vorausgesetzt – die Kamera (qua Zoom) in Fokus bringen kann, lässt sich aus der Parkett-, geschweige denn der Rangperspektive oft selbst mit dem besten Opernglas kaum verfolgen: ein suggestiver Wimpernschlag, ein leichtes Beben der Nasenflügel, ein sehrender Blick. So verlor sich auch ...
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