Über allen Gipfeln keine Ruh'
Dort, wo sich viele «Tristan»-Aufführungen szenisch ziehen, im dritten Akt beim großen Fiebermonolog des Titel-Antihelden, wird es diesmal spannend. Wir erleben nicht nur einen Tenor, der mit seiner Partie ringt, sondern sehen – in diffuses Rot getaucht – Tristan als Kind. In einer Mischung aus Uterus und Dante’schem Fegefeuer wird schlagartig das Trauma dieser Vollwaise deutlich. Plötzlich wirken eingeblendete Naturbilder von schwarzen, engstehenden Baumstämmen plausibel, verkehrt sich die Außen- in eine Innenperspektive, verschwimmen die Zeitebenen.
Tristans Angst wird als Todessehnsucht regelrecht sichtbar. Dieser Mensch, der die Wunden seiner Kindheit in sich trägt, kann gar nicht anders, als sich mit allem, was er tut, gegen sich selbst zu richten. Endlich – es ist ja spät am Abend – finden die aus Videos, gebauten Räumen und Licht zusammenkomponierten Szenenbilder im Baden-Badener Festspielhaus zu einer schlüssigen Grammatik. Für ein paar Minuten bekommen der polnische Regisseur Mariusz Trelinski und sein Team das Stück in den Griff.
Zwei Akte lang hatten sie versucht, «Tristan und Isolde» auf die Realität eines Kriegsschiffes herunterzubrechen und der von Wagner ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch
Impressum
57. Jahrgang, Nr 5
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752289
Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
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Redaktionsschluss dieser Ausgabe
war der 11.04.2016
Redaktion
Wiebke Roloff
Albrecht Thiemann (V. i. S. d....
Gioachino Rossinis eigene Aussagen über seine «Ermione» wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Einmal bezeichnete er das 1819 für Neapel geschriebene Werk als seinen «kleinen italienischen Wilhelm Tell», dessen Zeit wohl erst nach seinem Tod kommen werde. Dann wiederum behauptete er gegenüber Ferdinand von Hiller, «Ermione» sei eine «sehr langweilige» Oper,...
Der 1837 geborene Hans Sommer war eine Doppelbegabung: erfolgreicher Naturwissenschaftler und Komponist. Erst mit Ende 40 hängte er seinen Direktorenposten an der TU Braunschweig an den Nagel, um sich ganz der Musik zu widmen. In den letzten Jahren hat man peu à peu damit begonnen, Sommers Werke wiederzuentdecken. Beim Hören der jetzt in Gera aufgeführten...
