Im Grenzstreifen
Es war angerichtet: Herz, Hirn auf dem Teller, Messer und Gabel daneben. So präsentierten sich die Wiener Festwochen 2014 in Olaf Ostens grafischem Konzept als corporate identity. Herz und Hirn, Emotion und Verstand – das mag auf den ersten Blick banal wirken, doch brachte der neue Festwochenintendant Markus Hinterhäuser die beiden Grundstoffe menschlichen Wesens überzeugend zur Koexistenz.
Was die Oper betrifft, kam nach Romeo Castelluccis ergreifender Behandlung von Glucks «Orfeo ed Euridice» (siehe auch Seite 71) sowie der Neufassung von Georg Friedrich Haas’ «Bluthaus» (siehe OW 7/2014) Michael Hanekes Madrider Inszenierung von «Così fan tutte» als Gastspiel ans Theater an der Wien. Die stringent ausgeklügelte und feinst ausbalancierte Regie des Oscar-Preisträgers erschien merkwürdig kühl, als wäre die Distanz des C-Dur-Finales nach vorne übers ganze Stück gespannt. Katzenjammer eigentlich von Anfang an; das Glück is a Vogerl. Spannend, dieser Produktion in Wien zu begegnen, wenngleich musikalisch ein paar Wünsche offen blieben.
Viel Musik/Theater im Grenzstreifen – aber keineswegs im Niemandsland – der Gattungen. Etwa der in seiner Synergie artifiziell erscheinende, doch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2014
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Gerhard Persché
Herr Mattei, im neuen Berliner «Tannhäuser» von Sasha Waltz sangen Sie einen fantastischen Wolfram. Ein Rollendebüt?
Nein, das schien nur so. Ich hatte die Rolle schon vor acht Jahren an der Mailänder Scala gesungen. Es war ein großer Erfolg, aber ich habe den Wolfram nicht wieder angeboten bekommen.
Wie ist das möglich?!
Das sind die unergründlichen Wege der...
Aus den Schloten von Basstuba und Bassposaune steigen giftige Dämpfe auf – in übermäßigen und verminderten Quarten. Celli schmieren, dreifach geteilt, eine Mixtur aus chromatischen Quartsextakkorden auf den Untergrund wie Öl auf den Asphalt. Hörner und Holz bewegen sich in Gegenrichtung gleich Autos auf den Spuren einer Straße. Ihre Metren sind verschieden. Im...
Im ungedruckten, aber in vielen Köpfen verankerten Regie-Warnbuch gilt so etwas als schwere Sünde: Zwischentitel und Verdoppelungen à la «Maledetto» oder Amelia «mit fünf», «mit zwanzig», «mit fünfundzwanzig», alles auch noch als Kreidezeichnung illustriert. Und wenn die Partitur sachte Streicherdünung fordert, kräuseln sich hinten die Wellen als nette...
