Falco lebt

Linz, Mozart: Don Giovanni

Opernwelt - Logo

Man hätte schon gern gewusst, wie das klingt: Der Katastrophenakkord des Don Giovanni auf der E-Gitarre: herausgerissen aus klassischer Beschaulichkeit, hart hingefetzt, mit dem typisch wimmernden Nachhall? Hölle, Tod und Teufel? Leider erfährt man es nicht, denn der Typ, der mit Puderperücke und umgehängter Stratocast zu Beginn der Ouvertüre bei offenem Vorhang auf einem Hotelbett posiert, spielt bloß Luftgitarre. Aus dem Graben dagegen tönt es eher konventionell. Da hätte es schon eines Wilden des Originalklangs bedurft, um ein akustisches Äquivalent herzustellen.

Von Dennis Russell Davies und dem Bruckner-Orchester Linz war dies nicht unbedingt zu erwarten.
Der Mann auf dem Bett ist der sanftstimmige Martin Achrainer, Protagonist von Andreas Baeslers Linzer In­szenierung des «Don Giovanni». Und die Kombination von Puderperücke und Gitarre verweist auf den prominentesten Giovanni Österreichs, Johann Hölzel, besser bekannt als Falco. Baesler hatte sich gefragt, wer heute hinsichtlich gesellschaftlicher Position und vermeint­licher Handlungsfreiheit ein Äquivalent des adeligen Libertins vergangener Zeiten sein könnte, und kam auf die Stars der Popmusik. Von dort zum österreichischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2008
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Direktvergleich

Auf intelligente Weise münzt Brüssels Oper derzeit den im Stagione-Prinzip unumgänglichen Zwang zu Doppelbesetzungen in künstlerischen Mehrwert um. Nachdem bereits die letzte Produktion, Massenets «Wer­ther», Gelegenheit zum Direktvergleich zwischen der üblichen Tenorfassung und der später vom Komponis­ten erstellten Baritonversion gab, wartet La Monnaie auch bei...

Modellhafte szenische Versuche

Sechs modellhafte Versuche, die Gattung Oper nach dem Verstummen Wagners und Verdis ins 20. Jahrhundert hinüberzuretten, sind in sechs modellhaften Produktionen zu besichtigen, die im zurückliegenden Jahr erstmals auf DVD herausgekommen sind. «Modellhaft» bezeichnet dabei einen Interpretationsansatz, der genaue Werkkenntnis mit szenischer Fantasie verbindet, ohne...

Die Unvergessliche

Zu Beginn eine persönliche Erinnerung. Es ist eine an den schöns­ten Bordell­besuch: eine Aufführung des «Rosenkavalier» in Wien anno 1961, mit Marianne Schech als Marschallin, Hilde Güden als Sophie und Christa Ludwig als Octavian. Noch heute spüre ich die erotischen Wonnen, die aus den ersten Phrasen des Octavian klangen: «Wie du warst.» Der Vergleich mit dem...