Die Unvergessliche

Christa Ludwig hat stimmlich nie über ihre Verhältnisse gelebt, das war die Basis ihres Erfolgs. Ihr Arbeits­tagebuch verzeichnet 69 Opern- und Operetten­­partien. Dazu Lieder und geistliche Musik. Ihr Reper­toire spannte sich von Bach, Mozart, Beethoven und Schubert über Wagner und Strauss bis hin zu Berg und Bernstein. Alles zur rechten Zeit. Nun feiert Christa Ludwig ihren 80. Geburtstag. Ein persönlicher Glückwunsch von Jürgen Kesting

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Zu Beginn eine persönliche Erinnerung. Es ist eine an den schöns­ten Bordell­besuch: eine Aufführung des «Rosenkavalier» in Wien anno 1961, mit Marianne Schech als Marschallin, Hilde Güden als Sophie und Christa Ludwig als Octavian. Noch heute spüre ich die erotischen Wonnen, die aus den ersten Phrasen des Octavian klangen: «Wie du warst.

» Der Vergleich mit dem Bordellbesuch stammt von Christoph von Doh­nányi, der mir auf die Frage, warum er ein Meistermachwerk wie den «Rosenkavalier» dirigierte, süffisant antwortete: «Du stehst vor einem prächtigen Bordell – und du schämst dich. Du gehst hinein – und du hast zwei wunderbare Stunden. Du kommst heraus – und du schämst dich wieder.»
Die damalige Theatererfahrung ist mir, dank Christa Ludwig, unvergesslich. Ich habe die Sängerin kurz darauf innerhalb von vierzehn Tagen in vier (oder fünf) Aufführungen von «Così fan tutte» unter Leitung von Karl Böhm gehört – mit Elisabeth Schwarzkopf als Fiordiligi. Dann in Berlin als Amneris in Wieland Wagners Inszenierung von «Aida» und als Ortrud, und mir ist in Erinnerung geblieben, dass die «entweihten Götter» ohne schrilles Geschrei angerufen werden können.
Sie wäre, wie sie nicht nur im ...

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Opernwelt März 2008
Rubrik: Retrospektive, Seite 68
von Jürgen Kesting

Vergriffen
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