Gespannte Normalität
Jene gesottenen Wagnerianer, die das Œuvre ihres Meisters von allen anderen Opernwelten abheben, ihm eine höhere Dimension von Geistigkeit, Philosophie, ja Quasi-Religion zuweisen, scheinen so gut wie ausgestorben, und so gehören Wagner-Premieren inzwischen zur Theater-Normalität – emphatisch gesagt: zur Normalität permanenter äußerster Anspannung aller Theaterkräfte. Angesichts der landauf, landab grassierenden «Ring»-Projekte hält sich die Erregung freilich in Grenzen.
Die vierfache Herausforderung bedeutet heute sozusagen einfach eine andere Kategorie von Routine: die einer an großen Sport- und Event-Ereignissen orientierten, auf Rekorde ausgerichteten Planungskultur. Da mit dem «Ring» der Platz musikdramatischer Großprojekte ebenso besetzt ist wie mit Goethes «Faust» derjenige des klassischen deutschen Bildungsschauspiels, haben es ähnlich aufwändige Würfe schwer. Man denke etwa an August Bungerts in Dresden uraufgeführte Tetralogie «Homerische Welt», deren Text Ulrich Schreiber über Wagners «Ring»-Dichtung stellt und deren Musik er Lortzing-Qualität zuspricht. August who? Inzwischen ist nicht einmal der Name des Schöpfers dieses um die vorletzte Jahrhundertwende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Hans-Klaus Jungheinrich
Nach 1840 schlitterte die gute alte komische Oper in die Krise. Nicht erst Verdis «Falstaff», auch schon Wagners «Meistersinger» oder Donizettis «Don Pasquale» sind Komödien zweiten Grades. Spontaner Humor scheint nicht mehr zu funktionieren, die Komik verbirgt sich hinter einem Schleier von Anspielungen und Brechungen aus historischer Distanz.
Ein herausragendes...
Ein zerstreuter Flaneur könnte es glatt übersehen, das Konserthus am Götaplatsen. Wie das vis-à-vis gelegene Stadsteater kauert der Bau im Schatten des stirnseitig auf einem Plateau thronenden Konstmuseums. Die Vorzüge des von dem schwedischen Architekten Nils Einar Eriksson entworfenen, 1935 eröffneten Quaders finden sich im Inneren. Alles kündet hier von einer...
Aufgrund welcher Verkettungen und Missionen die «Decca» – opernaktiv sonst nur im Bereich Alter Musik und für Cecilia Bartoli – bei «L’Aiglon» sogar ein Label-Debüt von Operndirigent Kent Nagano arrangierte, gibt Rätsel auf. Man könnte es als Naganos Operetten-Debüt betrachten: «L’Aiglon», komponiert 1937 als Gemeinschaftsarbeit von Arthur Honegger und Jacques...
