Im Sturm
Die zweite Oper des amerikanischen Komponisten Carlisle Floyd verdankt ihr Dasein einem Zufall. Nachdem sein Erstling «Susannah» in New York freundlich angenommen worden war, hatte die Sängerin der Titelrolle um eine wirkungsvolle Konzertarie gebeten. Floyd griff kurzerhand auf einen Text zurück, den Schauspielerinnen damals gern zum Vorsprechen benutzten: eine hochdramatische Passage aus Emily Brontës Roman «Wuthering Heights».
Nach dem Konzert stürzten, so erinnert sich der Komponist, mehrere Operndirektoren hinter die Bühne und suchten zu erfahren, wie denn «der Rest der Oper» sei. Unter größtem Zeitdruck dampfte Floyd den Roman auf ein bühnenpraktikables Maß ein und orientierte sich dabei weitgehend am Handlungsfaden eines 1939 gedrehten Spielfilms.
Dieser Film (mit Laurence Olivier und Merle Oberon in den Hauptrollen) erzählt die Liebe des jungen Waisen Heathcliff zu seiner Stiefschwester Catherine als epische Rückblende der Haushälterin von «Wuthering Heights». Sechzehn der vierunddreißig Romankapitel sind hier auf einhundert Filmminuten gebracht. Floyd übernahm diesen Romanausschnitt auch für sein Libretto, würzte die Handlung etwas schärfer und verzichtete nach mehreren ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Martin Morgenstern
Sieht man von Emilio da Cavalieris (im Stil opernhafter, dem geistlichen Inhalt nach aber eher dem, was man später Oratorium nennen wird, zugehöriger) «Rappresentazione di Anima e di Corpo» (1600) ab, war Domenico Mazzocchis «La catena d’Adone» (1626) die erste Oper, die in Rom aufgeführt wurde. Der belgische Bassist Nicolas Achten hat sie nun mit seinem...
Gäbe es so etwas wie eine Hitparade der klassischen Musik, Lyonels schmachtende Arie «Ach so fromm» mit dem berühmten Schlussseufzer «Martha, Martha, du entschwandest», dürfte sich nach wie vor auf den vorderen Plätzen behaupten, wenn sie auch mittlerweile in der italienischen Version, «M’apparì», die in keinem Recital südländischer Tenorstars fehlt, noch populärer...
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
