Systemausfall
Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen, wo auf Displays die Flammen züngeln. Das teils modernistisch billige, teils geistesschlichte Ambiente erlaubte spielend, sich auf die immensen musikalischen Vorzüge dieser Prestigeproduktion zu konzentrieren.
Denn ihre letzten royalen Seufzer haucht hier Daniela Barcellona aus: Der sonst über Rossini-Koloraturen herrschende italienische Mezzo bereitet einen Fachwechsel vor – und der verspricht dankt eines herb-samtigen, wohlig aufgefächerten Timbres spannend zu werden.
Leider sang Barcellona genauso wenig idiomatisch wie die übrige sehr gute, aber ohne Franzosen auskommende Besetzung. Stephen Gould war ein in der Höhe müheloser Aeneas mit beachtlichem Durchhaltevermögen. Was ihm – wie so oft – fehlt, ist die dramatische Durchleuchtung der Rolle, die aus Noten einen Charakter formt. Die schöne Mischung mit Barcellonas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er hat es wieder einmal geschafft: Ein Stück, das wir bis in die letzte Nuance zu kennen glaubten, gewinnt unter seinen Händen ein neues, aufregendes Gesicht. Dabei schien, was der ewig junge, in seiner Neugier nimmersatte Nikolaus Harnoncourt diesmal unter die Lupe nahm, von den bisherigen Brennpunkten seiner Forscherlust so weit entfernt wie nichts zuvor, die...
Es ist bereits die fünfte Strauss-Produktion der Ära Valery Gergiev. Und es ist eine Erfolgsgeschichte für das Mariinsky Theater. Die Wagner-Primadonna des Hauses, Larissa Gogolewskaja, wurde für ihre brillante Darstellung der Titelpartie in «Elektra» (2007) mit dem renommierten Preis «Die goldene Maske» ausgezeichnet. Das britische Regie-Team hinterließ bleibende...
Lehárs «Friederike» (1928) eilt ein fabelhafter Ruf voraus. Seit ihrer Uraufführung gilt die Goethe-Operette als eines der geschmacklosesten Kitschprodukte der Zeit. Andererseits drängelte sich von Albert Einstein bis Heinrich Mann alles, was Rang und Namen hatte, zur glanzvollen Uraufführung im Berliner Metropol-Theater, und keine Geringere als Käthe Dorsch...
