Absolut aufgeklärt
Antonio Salieris «Tarare» ist ein veritabler Opernsolitär – zu einer Zeit, als das Musiktheater noch weitgehend normierte, standardisierte Konfektionsware bot. Anders als bei Mozarts oder Paisiellos Vertonungen von Beaumarchais’ beiden «Figaro»-Schauspielen handelt es sich bei dem 1787 an der Pariser Opéra uraufgeführten Werk um ein Originallibretto des literarisch-politischen Wortführers der französischen Aufklärung.
«Tarare» – der Titel bedeutet so viel wie Unsinn, Blödsinn – ist ein operngeschichtliches Schlüsselwerk, denn es wendet die Grundkonstellation der Komödie ins Politische. Die Handlung spielt zwar im Orient, gemeint aber ist das Ancien Régime am Vorabend des Bastille-Sturms. Der despotische König Atar neidet dem jungen General Tarare seine Erfolge, lässt überdies seine Frau Astasie entführen. Aber eine von Calpigi, dem Serail-Aufseher, eingefädelte und vom Heer unterstützte Palastrevolution bedeutet das Ende Atars, sodass der vom Volk bejubelte Tarare als aufgeklärter Monarch den Thron besteigt. «Mensch! Deine Größe hieniden», so das Fazit, «hat nichts mit deinem Stand zu tun: sie hängt allein von deinem Charakter ab».
Formal knüpft «Tarare» mit dem allegorischen, ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 49
von Uwe Schweikert
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy...
Kein Zweifel, diese Dame ist von Zorn durchglüht. Außer sich. Erregt. Schon der Beginn der Szene zeigt sie in Rage, die Töne poltern nur so durch den imaginären Raum. Und dies nicht ohne Grund. Die Enttäuschung über eine tyrannische Liebe hält die Unglückselige gefangen, und nichts, aber auch gar nichts kann sie gegen die grausamen Erinnerungen ausrichten, die...
Ein Sommerabend in Rom. Sonnenstrahlen scheinen auf antike Ruinen, Überziehen die Terrakottatöne mit Bronzeglanz. Alles duftet noch nach der Hitze des Tages, die jetzt heftig aus den Steinen emporsteigt, einen Augenblick über der Erde verweilt, massig und schwer, bevor der Wind sie in den Himmel trägt. In den Pinien und Zypressen singen die Zikaden, über ihnen...
