Déjà-vu
Eine Weltpremiere sollte es werden am Fuße des Erfurter Doms: «Der Name der Rose» als Musical. Die beiden Norweger Øystein Wiik (Text) und Gisle Kverndokk (Musik) schrieben ihr Stück nach Umberto Ecos Jahrhundert-Roman quasi auf die Domstufen. Uraufgeführt wurde an diesem Abend allerdings nur die erste Dreiviertelstunde des Bühnenwerks.
Zunächst begrüßt Guy Montavon, Erfurts Generalintendant, auf der Kulissentreppe die 2000 Zuschauer. Lange schon ist das Festspielereignis ausverkauft. «Wir verlassen den Platz nicht, bis sieben Mönche abgemurkst sind», sagt Montavon.
Doch so weit kommt es nicht: Nach zweien wird schon Schluss sein an diesem Abend. «Toi, toi, toi», ruft er noch und klopft auf den Boden. Die Raben krächzen unheilvoll vom Dachfirst des Doms und fliegen fort.
Die Glocken läuten. Grün gewandete Mönche steigen die Stufen herab. Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze, Kordel um den Bauch, gruppieren sie sich auf der gewaltigen Treppe. Auf ihr lagern nicht minder gewaltige Fragmente eines Mosaiks; wie heruntergeflatterte Seiten liegen sie flach nebeneinander oder stehen hochkant wie Bücher, als wären sie aus dem Hauptportal des Doms gefallen. Die Fragmente können ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Nora Sophie Kienast
Als «Festival zur Förderung junger Sänger» hat Siegfried Matthus 1990 die Kammeroper Schloss Rheinsberg gegründet. Ins idyllische Ruppiner Land, wo einst der Preußenprinz Friedrich seine schönsten Jahre verlebte und sein Bruder Heinrich später einen Musenhof etablierte, kommen die Nachwuchssolisten nicht zum Geldverdienen, sondern um Praxiserfahrungen zu sammeln....
I.
73 Meter unter der Erdoberfläche stehen wir, fröstelnd – und verstehen alles besser. Zu sehen ist nicht viel. Feuchte Felswände. Eine schwere Eisentür, wie zu einem Tresor. Gemauerte Sperren in diffusem Licht. Dahinter liegt die Grenze. Der schmale Tunnel, durch den wir – mit eingezogenem Kopf – hierher gekommen sind, wurde von Nordkorea aus gebaut. Alle paar...
WAGNERSPECTRUM
Heft 1/2019 (15. Jahrgang) – Schwerpunkt: Siegfried Wagner
Königshausen & Neumann, Würzburg 2019; 352 Seiten, 24 Euro
Zum 150. Geburtstag Siegfried Wagners gratulierte Bayreuth mit zwei Aufführungen seiner Oper «An allem ist Hütchen schuld» (im Markgräflichen Opernhaus) sowie mit der Uraufführung «Siegfried» von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel (in...
