Der Duft von Flieder
Kein Zweifel, diese Dame ist von Zorn durchglüht. Außer sich. Erregt. Schon der Beginn der Szene zeigt sie in Rage, die Töne poltern nur so durch den imaginären Raum. Und dies nicht ohne Grund. Die Enttäuschung über eine tyrannische Liebe hält die Unglückselige gefangen, und nichts, aber auch gar nichts kann sie gegen die grausamen Erinnerungen ausrichten, die sich ihrer bemächtigt haben.
Und eben diese Qualen sind es, die sie nun, begleitet von zwei Violinen, einer Bratsche und Basso Continuo, in einem dreiteiligen Stück mit zwei Rezitativen und einer pathosgeladenen Arie («Ah, ch’ infelice sempre») mit Verve und veritabler Wu(ch)t in die Welt schleudert.
Vermutlich in den Jahren 1734/35 komponierte Antonio Vivaldi sein Opus «Cessate, omai cessate». Und zeigte wieder einmal, wie irrig die (lange verbreitete) Annahme ist, sein Œuvre sei stilistischen Beschränkungen unterworfen. Allein die Vielfalt der kompositorischen Mittel in dieser tragischen Kantate bekundet dies. Während das einleitende Rezitativ den französischen Stil imitiert, ist die zentral verankerte Arie als ein kantables Arioso angelegt; das am Ende stehende Rezitativ wiederum kleidet sich in die Form einer äußerst ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 46
von Jürgen Otten
Seit 1975 macht das Festival della Valle d’Itria in der süditalienischen Kleinstadt Martina Franca mit Unbekanntem, Ausgrabungen und ungewöhnlichen Fassungen geläufiger Werke von sich reden. Während das Publikum gerade den Spezialitäten-Zuschnitt des Programms schätzt – selbst aus Asien reisen immer mehr Besucher an –, ist die ideelle wie finanzielle Unterstützung...
Der Titel gibt die Richtung vor: «Schrei und Utopie» ist der im Wolke Verlag erschienene Band überschrieben, der – pünktlich zu dessen 80. Geburtstag – Essays von Nicolas Schalz aus den vergangenen 40 Jahren bündelt. In seiner Kontrastbildung verweist dieser Titel auf den dialektischen Grundansatz, dem das Denken des emeritierten Professors der Hochschule für...
Es hätte so schön sein können. Ein Wiedersehen mit seiner Geburtsstadt, ein tolles Stück, ein hervorragender Cast. Als Christoph von Dohnányi sich aber mit den Details der «Salome»-Inszenierung von Hans Neuenfels an der Berliner Staatsoper vertraut machte, warf er, kurz vor der Premiere im März 2018, das Handtuch – wegen «künstlerischer Differenzen». Ein...
