Aus der Zeit gefallen
Eine Schöne Magelone mit Philippe Jaroussky oder eine Dichterliebe mit Max Emanuel Cencic? Das möchte man sich lieber nicht vorstellen. Das Manieristische, Maskenhafte, Outrierte eines an der Barockoper geschulten Vokalstils, die penibel einstudierten, inszenierten Posen passen nicht zum Herzweltschmerz der Romantik. Den Affekthaushalt des gepuderten Rokoko-Theaters mag das exaltierte Spiel befeuern wie die kreischende Lust an der Extravaganz einen Tuntenball. Doch später, wenn Werther brennt und blaue Blumen blühen, fließen die Gefühle ohne verzierte Gesten über.
Seit Gluck und Haydn ist nun einmal das Unmittelbare, Unverstellte, die edle Einfalt der ins Offene drängenden Seele Inbegriff des Ausdrucks.
Das Aufbegehren gegen die Herrschaft des Artifiziellen gehört zum Wesen der postbarocken Arien- und Liedkunst. Wer das aus dem Auge verliert, verfehlt etwas Entscheidendes: die Aura einer von innen glühenden, natürlichen Sinnlichkeit. Der Countertenor Jochen Kowalski ist vor Jahren an der Schönen Müllerin gescheitert, weil er Schubert mit dem Segen Händels sang. Hurtig hüpfte er da über Stock und Stein, ein Springinsfeld, den kein Tränenbächlein betrübte. Das klang unverschämt ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Albrecht Thiemann
Irgendwann hatte man in Rom von den Opernscharmützeln im fernen Süden offenbar genug. Am 4. Dezember 2012 griff der italienische Kulturminister Lorenzo Ornaghi durch und ernannte Fabio Carapezza Guttuso, einen hohen Staatsbeamten und Präfekten, zugleich Adoptivsohn des verstorbenen Malers Renato Guttuso, für zunächst sechs Monate zum kommissarischen...
Das Wunderbare an den Opernarbeiten der Regisseurin Andrea Breth ist die Unberechenbarkeit, mit der sie sich (meist) den Schicksalen von Frauen widmet. Ob es grellbunt wird und überdreht oder nachtschwarz und totenstarr, entscheidet nicht die bis zum Markenzeichen erprobte Methode, sondern die jeweilige Figur, eine musikalische Signatur oder die Verknüpfung mit...
Ein Fisch! Endlich etwas auf dem Tisch. Satt werden Rodolfo und seine Kumpanen davon bestimmt nicht, aber was tut’s. Ein munteres Völkchen, diese Pariser Lebenskünstler, auch mit leerem Magen. So zeigen es uns viele Inszenierungen von Puccinis La Bohème, auch jene von Davide Livermore in Valencia. Seine turbulente Personenführung macht den Leuten Laune. Bei Mimìs...
