Mozart: Così fan tutte
So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rheinoper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in einer Art spätem 19. Jahrhundert an, für das Yannis Thavoris fesselnde Landschafts- und Raumbilder irgendwo zwischen Caspar David Friedrich und den Surrealisten des 20.
Jahrhunderts erfunden hat: ein mediterranes, klassizistisches Ambiente, das im Verlauf des Abends immer unheimlicher, immer kälter wird, festgemacht an vereisenden Pflanzen und zwei Felsen inmitten eines romantischen Meeres, die am Ende explodieren, Materie freisetzen – Sinnbild für ein Spiel, in dem zerstörerische Energie ungeahnte Kräfte entfesseln kann.
Die Verlegung der 1789 (!) entstandenen Handlung um rund hundert Jahre hat etwas klug Pikantes, war doch gerade diese an den Festen von Liebe und Ehe rüttelnde Mozart-Oper dem prüden 19. Jahrhundert in seiner emotionalen Beschränktheit suspekt. Dort angesiedelt kann «Così fan tutte» weit mehr Brisanz ...
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