Hyperaktiv
Manchmal muss auch der Musikkritiker zum Äußersten greifen – zum Beispiel zu der Presse-Werbe-CD mit ein paar Ausschnitten aus der Musik, die er eigentlich gerade im Theater gehört hat. Es ist, stellt er beim Nachhören fest, eine Musik von sanftem Schmelz und federndem Esprit, gemacht mit dem Willen und der Fähigkeit zu kunstvoller Einfachheit, zum feinen Sentiment der kleinen Melodie auf engem Ambitus, aber auch zur erotisch gurrenden Koloratur.
Mit «Les Chevaliers de la table ronde» komponierte Hervé im Jahr 1866 seine erste (fast) abendfüllende Operette für die Bouffes-Parisiens, nachdem deren Gründer Jacques Offenbach das Haus verlassen hatte. Man spürt das Vorbild, musikalisch, aber auch in der Stoffwahl der Rittergroteske – sei es, weil die neue Direktion einen unmittelbaren Ersatz für Offenbach suchte, sei es aufgrund der sowieso beständigen Rivalität der beiden, die eigentlich gemeinsam als Erfinder der Operette zu handeln sind.
Auch daran möchte aktuell der Palazzetto Bru Zane erinnern, indem er das Stück in den kommenden zwei Jahren bei rund sechzig Vorstellungen zeigen wird, vor allem an französischen Häusern, aber auch am eigenen Stammsitz in Venedig. Die Premiere in ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Michael Stallknecht
Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und...
Mit diesem Stück fing alles an: «My Fair Lady» war der erste echte Musical-Erfolg in Deutschland. Eine Kulturnation, die traditionell zwischen der «ernsten», also der wertvollen, und der «unterhaltsamen», also zweitklassigen, Kunst unterscheidet, musste fast zwangsläufig mit dem aus Übersee importierten Genre fremdeln. Doch Frederick Loewes Stück spielt in...
Es gibt sie ja, die Regisseure, die statt des ihnen aufgetragenen einen Werks gleich zwei oder drei auf einmal inszenieren. Patrice Chéreau war so einer, der Bedeutungsebenen übereinanderschichtete. Der aktuell bemerkenswerteste Fall ist Stefan Herheim. Und Norweger wie er ist auch der vom Schauspiel kommende Ole Anders Tandberg – der jetzt bei seinem Debüt am...
