Brillantes Handwerk

Janácek: Das schlaue Füchslein Darmstadt / Staatstheater

Opernwelt - Logo

Nein, das Datum wollen wir mal nicht so ernst nehmen. «Das schlaue Füchslein», so wie es in Darmstadt drei Tage vor dem ersten Advent zur Premiere kam, ist kein putziges Weihnachtsmärchen. Es ist aber sehr wohl ein Abend mit Herz und Gemüt, einer, der handwerkliche Souveränität mit Versenkung in die Sache kombiniert. Man könnte auch sagen: einer, der Klarheit und Andeutung so mischt, dass sich immer wieder schöne Momente von Verdichtung ergeben. Doch der Reihenfolge nach.

Janácek wusste genau, dass seine Art des musikalischen Satzes viele Probleme aufwarf.

Es geht um andere Schwierigkeiten als bei seinen Generationsgenossen Richard Strauss oder Gustav Mahler. Janácek nutzt zwar das große, romantische, gemischte Orchester, aber er verwehrt ihm die Ausgewogenheit. Es gibt kaum Füllstimmen, und die Instrumente werden oft anders gebraucht als üblich. Unbequem ist das – für die Musiker genauso wie für den Hörer. Die instrumentalen Einzelstimmen scheinen permanent auseinanderzustreben, in ihrer Aphoristik nur notdürftig zusammengehalten. Was da Figuration ist, was ein bloßgelegter motivischer Kern, das lässt sich oft nur schwer entscheiden. Janácek schafft damit eine ganz neue Polyphonie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Kult klingt anders

«Kult» war das Thema der 40. Tage Alter Musik in Herne im November, zum Abschluss gab es einen italo-eng­lischen Opernhit: Giovanni Bononcinis 1696 für Neapel geschriebene Oper ­«Il trionfo di Camilla regina de Volsci». Nicola Haym bearbeitete sie 1706 für London und brachte sie dort – als erste italienische Oper überhaupt in England – zur Aufführung, Kräftig...

Editorial

Der Tod war schon dem jungen Mann auf den Fersen. Dem lebenshungrigen, neugierigen, lässigen Theaterwunderkind, das gerade in München mit einer Inszenierung von Edward Bonds «Die See» Furore gemacht hatte. Mitte zwanzig war Luc Bondy, als er die erste Krebsdiagnose bekam. Damals konnte er den Kampf mit der Krankheit für sich entscheiden, mit Medikamenten,...

Wenn alle Schranken fallen

Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus...