Verkehrte Welt
Irgendwann trägt Bjørn Waag beim Singen Federschmuck. Geht es denn hier um Indianer? Von Zyklon B und vom Vergasen ist doch – als Plauderei beim Federball – die Rede. Der Name Lili Tofler fällt. Politischer Häftling war sie – im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Aber schon im Text von Peter Weiss, der auf den Protokollen des Frankfurter Auschwitz-Prozesses von 1963-1965 beruht, fehlt jede Erwähnung von «Auschwitz» und von «Juden». Was hier verhandelt wird, in Frederic Rzewskis Oratorium «Der Triumph des Todes», soll nicht als einzigartig dogmatisiert werden.
Nicht um die Pflege von Betroffenheit geht es, sondern um das Erkennen von Verhaltensmustern unter dem Druck von Diktatur und Lager. Sie sind universell und wiederholbar.
Bei der deutschen Erstaufführung hat der Regisseur Alexander Fahima das Stück (von 1988) für das Kunstfest Weimar im Schießhaus in Szene gesetzt. Er treibt die Universalisierung voran, lässt durch Bahadir Hamdemir historische Vorbilder der Menschenmisshandlung am Beispiel der Kunstgeschichte einblenden: vom antiken Laokoon bis zu Théodore Géricaults «Floß der Medusa». Und es geht auch um Indianer, wenn Caterina Maier, Ulrika Strömstedt, Andreas Koch, Saya ...
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Opernwelt November 2015
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Jan Brachmann
Selbst in einer so musikliberalen Stadt wie Frankfurt am Main geht eine Lachenmann-Premiere nicht ganz ohne Buhs ab. Natürlich gab es im Vorfeld der Aufführung auch jenen konservativen Opernhabitué, der wütend um sich herum zu agitieren versuchte und wieder einmal die «unverantwortliche Verschleuderung von Steuergeldern» bemühte (womit er beim Schreiber dieser...
Seit Jens-Daniel Herzog das Dortmunder Opernhaus von der glücklosen Christine Mielitz übernommen hat, geht es dort kontinuierlich aufwärts. Bei gerade noch 45 Prozent lag die Auslastung, als Herzog anfing, nun kann er 75 Prozent und zudem durch die Erhöhung des durchschnittlichen Kartenpreises eine Einnahmensteigerung um satte 100 Prozent vorweisen. Als «stabile...
Vor der Bescherung eine Rüge. «Singen kommt von Sagen», mahnte der Jury-Vorsitzender Robert Holl und erinnerte damit an Wagners Satz, dass Singen die «leidenschaftliche Form des Sprechens» sei. Textverständlichkeit war von den Opernlegenden (neben Holl unter anderem Anja Silja, Gabriele Schnaut und Thomas Moser) im Finale des Münchner ARD-Wettbewerbs vermisst...
