Lust und Verlust

Benjamin Brittens «The Rape of Lucretia» und «Gloriana» in Bild und Ton

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Und wieder kommt uns bei «The Rape of Lucretia» der sarkastisch-sexistische Aphorismus Georg Christoph Lichtenbergs über die «Ehre der Frauenzimmer», die, pardon, «nur einen halben Zoll vom Arsche abliegt» (Zitat aus Lichtenbergs «Sudelbüchern»), in den Sinn. Zwar weit weniger sudelig, aber dennoch merkbar scheint dies auch über Benjamin Brittens zweiter Oper zu schweben. «In the forest of my dreams you have always been the ­tiger», wirft Lucretia (hier in Person der ausdrucksstarken Sarah Connolly) ihrem Vergewaltiger Tarqinius entgegen.

Ein Raubtier, das Schrecken, zugleich aber auch erotische Faszination verbreitet. Freud hätte seine Freude gehabt. Fördert das Stück etwa das dumme Klischee, tief im Inneren wünsche sich jede Frau ihre Vergewaltigung?

Die Titelfigur entleibt sich schließlich – auch aus Scham über diesen geheimen Wunsch? –, und der Male Chorus (John Mark Ainsley) kommentiert es mit christlich-paulinischer Moral, ohne den Female Chorus (Orla Boylan) überzeugen zu können. Regisseur David McVicar suchte die Problematik in seiner Inszenierung von 2001 an der English National Opera (die in einer Aufführung vom Aldeburgh Festival aus dem gleichen Jahr jetzt auf DVD ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Gerhard Persché

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