Dialog der Zeiten

Helbig: Vom Lärm der Welt Weimar / Nationaltheater

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Wer sich selbst sehen will, braucht einen Spiegel. In der Oper war die Historisierung schon früh ein Mittel, die eigene Gegenwart in den Blick zu bekommen. Geschichtliche Distanz spornt an zur Selbstdeutung – als Eigenleistung des Zuschauers, nicht als Diktat des Autors. Darin lag der Sinn von Stoffen aus fernen Ländern und Zeiten.

Der Theologe und Dichter Christian Lehnert, der sich durch sein Libretto für Hans Werner Henzes «Phaedra» (2007) einen guten Ruf erwarb, hat nun einen neuen Text vorgelegt, der überaus geschickt den anti-musealen Eifer der ­Praxis pariert mit dem Wunsch nach Erkenntnis durch geschichtliche Reflexion. «Vom Lärm der Welt oder Die Offenbarung des Thomas Müntzer» gelangte jetzt, mit der Musik von Sven Helbig, am Deutschen Nationaltheater Weimar zur Uraufführung.

Für eine Oper ist der Anteil der sympathisch bescheidenen, klug eingesetzten Musik eher klein: Sie beschränkt sich auf knappe Bariton- und Tenor-Partien für Martin Luther (weich und freundlich: Bjørn Waag) und Thomas Müntzer (visionär zermürbt: Jörn Eichler) sowie eine mittlere Sopran-Partie für eine schwangere Frau (hell und gütig: Steffi Lehmann). Dagegen hat der Chor, begleitet vom umfangreichen ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Jan Brachmann

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