Wie aus dem Kinderbuch
Zumindest im Opernbereich war die Bilanz des Händel-Jahres 2009 eher ernüchternd. Zwar wurde der 250. Komponistengeburtstag an nahezu jedem Opernhaus mit einer Produktion gewürdigt, doch ein Volltreffer, der Impulse für einen neuen, anderen Umgang mit Händels Opernfiguren gegeben hätte, scheint nicht dabei gewesen zu sein.
Immerhin gab es einen Hoffnungsschimmer: Mit ihrem «Anaesthesia»-Pasticcio kreierte die Berliner Off-Theatermacherin Nicola Hümpel für die Hallenser Festspiele einen poetischen Bilderreigen, der neugierig machte, ob dieser unverkrampfte, fantasievolle Zugang nicht auch für eine ganze Oper taugen würde. Das sah man offenbar auch in Halle so und vertraute Hümpel mit dem «Orlando» die große Neuproduktion dieses Jahres an – mit einem Ergebnis, das tatsächlich taugen könnte, der Händel-Welt einen Weg aus den Einbahnstraßen von Barockverspaßung und plattem Bühnenrealismus zu weisen.
Denn von jedem Versuch, für die Figuren des «Orlando» einen Platz in der alltäglichen Lebenswelt zu suchen und ihre extremen Gefühlsäußerungen durch Informationen über soziales Umfeld und psychische Verletzungen zu rechtfertigen, hält sich Hümpel frei. Das pastellfarben ausgeleuchtete ...
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