Zurück auf Null
«Unaufführbar», ganz schnell pflegt dieses Fallbeil ausgelöst zu werden. Als ob man mit ein, zwei Reflexionsumdrehungen mehr nicht zu anderen Schlüssen kommen könnte. Vielleicht weniger im Alltagsgeschäft des Stadttheaters. Aber für den Ausnahmefall «Festival» wäre das doch eine genuine Aufgabe: nicht das Naheliegende wie Gounods «Faust» zu realisieren oder Randgewächse wie Strauss’ «Liebe der Danae» als große Sahnetortennummer zu spielen, sondern zusätzliche Ebenen einzuziehen, sich ums Abseitige, nicht minder Aufregende zu kümmern.
Wie wäre es also gewesen, hätten die Salzburger Festspiele tatsächlich Otto Nicolais «Il templario» szenisch herausgebracht? Mit einem Regisseur, der lichtet und erdet (Peter Konwitschny?). Der die mäandernde Geschichte um Ritter Vilfredo, welcher in Rovena verliebt ist, aber eigentlich (und vergeblich) von der Jüdin Rebecca begehrt wird, nachdem sie ihn einst gesundpflegte, nicht nur erhellt, sondern psychologisch ausformuliert?
Doch auch hier das Erwartbare in einem Sommer der bräsigen Risikoarmut. Nur eine konzertante Aufführung, die aber immerhin mit besten Voraussetzungen. Mit Juan Diego Flórez als Vilfredo, der sich mit enorm viel Nachdruck ...
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Opernwelt November 2016
Rubrik: Magazin, Seite 80
von Markus Thiel
Als Juan Diego Flórez 1996, damals 23 Jahre alt, zum ersten Mal in die Rossini-Stadt kam, konnte er gleich eine Katapultchance nutzen. Der für Partie des Corradino in «Mathilde di Shabran» vorgesehene Bruce Ford war ausgefallen, der junge Peruaner erlernte in kürzester Zeit den mit virtuosen Höchstschwierigkeiten gespickten Part. Seither ist er immer wieder...
Man gibt sich weltoffen an der Oper von Wuppertal – einer Stadt, in der ein Drittel der Bevölkerung von Migranten abstammt, Tendenz steigend. Im Saisonheft lächelt ein schwarzes Mädchen mit blauen Augen in die Kamera des Reportagefotografen Jens Großmann, eine Frau steht vor den Trümmern ihres sturmzerstörten Hauses auf den Philippinen, Erdbeben in Kaschmir, Spuren...
Die Karriere der belgischen Sopranistin Anne Cambier beschränkt sich keineswegs auf die Benelux-Länder. Als Solistin bei Les Arts Florissants, als Gast bei Musica Antiqua Köln, La Petite Bande oder der Academy of Ancient Music gehört sie zum inneren Kreis jener Spezialistinnen, die mit nicht zu großer, schlackenloser, glockig heller Stimme zuverlässig ein...
