Gehobene Mittelklasse
Manchmal weiß man nach den ersten Tönen, wie es wird. So bei Micaela Carosis Auftritt in der Frankfurter «Adriana Lecouvreur». Sage und schreibe einer Erstaufführung an diesem Hause und in dieser Stadt – recht merkwürdig angesichts eines durchaus berühmten, nicht wenig dankbaren Werkes. Da wird also, wie bei einigen Puccini-Opern, vor dem Erscheinen der weiblichen Titelfigur so etwas wie ein roter oder silbriger Klangteppich ausgerollt, eine wundervoll zart-gespinstige Instrumentalmusik, nicht die einzige sensible dieses auch mit orchestraler Beredtheit brillant umgehenden Komponisten.
Dann kommt zunächst eine kurze Sprechpassage, gefolgt von einer vokalen Attacke, die im Sprung in die Spitzenregion führt. Micaela Carosi ging das voller Verve und Mut an, bekam bei den ausgehaltenen Tönen dann aber sofort ein breites, fast nicht mehr kontrolliertes Vibrato, das einer merklichen Intonationstrübung gleichkam. Das wiederholte sich im Laufe des Abends und beeinträchtigte auch die mehr und mehr ins Lyrische sich wendenden Schlusspassagen des letzten Akts (nach dem Einatmen des tödlichen Blumengifts) mit seinen zärtlich-schmerzlichen Motivreminiszenzen. An auratischer Personalität blieb ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Hans-Klaus Jungheinrich
Eine junge Frau tappt durchs Dunkel. Kurz sehen wir ihr Gesicht, ihre nackten Füße, im Staccato einer flackernden Taschenlampe. Dann verschwindet sie. Leuchtet wieder auf, wie eine Ikone. Verschwindet wieder. Nur wenn die Frau den handbetriebenen Dynamo in Gang setzt, wird es Licht. Ratsch macht es dann und ratsch und ratsch, immer schneller. Darüber schwebt ihre...
1590 wurde ein Komponist zum Mörder: Carlo Gesualdo di Venosa war zu Ohren gekommen, dass seine Frau ihn betrüge. Er täuschte einen Jagdausflug vor, erwischte sie mit ihrem Liebhaber in flagranti und tötete beide.
Siebzig Jahre nach dem Doppelmord stilisierte der Librettist Giacinto Andrea Cicognini das Geschehen zu einer 46 Szenen umfassenden «opera tragica». Und...
Jubilare
Sie gab ihr Bühnendebüt 1926 im Alter von 14 Jahren am Budapester Magyar Színház-Theater, entwickelte sich in den Folgejahren mit Auftritten nicht nur in Ungarn rasch zum Operetten-Star und füllte als musikalisches Wunderkind die Konzertsäle in ganz Europa. Marta Eggerth wurde 1912 in Budapest geboren und ging nach Gesangsausbildung und Engagements in Wien...
