Sehnsucht nach der Puppenstube
Unter allen Opern Verdis nach «Rigoletto» ist «Les Vêpres siciliennes» das Aschenbrödel. Im Gegensatz zu anderen, früher ähnlich selten gespielten Werken wie «Simon Boccanegra» oder «La forza del destino» findet man die Oper aus dem Jahr 1855 heute nicht einmal gelegentlich auf den Spielplänen. Und kommt es einmal zu einer Aufführung, sind sich Fachwelt und Publikum schnell einig: zu uneinheitlich, zu pompös, zu Recht vergessen.
Die Amsterdamer Neuproduktion zeigte, dass es für eine überzeugende Aufführung keineswegs – wie es das Bonmot für «Il trovatore» will – die vier besten Sänger der Welt braucht, sondern viel weniger: zuallererst einen Regisseur, der das Stück wirklich ernst nimmt, dann aber auch einen Dirigenten, der sich nicht vom Glanz der französischen «Grand Opéra» blenden lässt. Geprägt wurde die Aufführung freilich nicht nur von Christof Loys reduktionistischer Bildersprache und präziser Personenführung, sondern auch von der niederländischen Sopranistin Barbara Haveman als überragender Sängerschauspielerin. Mit ihrer etwas kehligen, in allen Lagen souverän geführten und zu zahlreichen Schattierungen fähigen Stimme meisterte sie die halsbrecherische Partie der Hélène. ...
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Für ihren Amtsantritt als Intendantin der Sächsischen Staatsoper wählte Ulrike Hessler den Hausgott Richard Strauss. Doch weder der in Dresden uraufgeführte «Rosenkavalier» noch eine «Elektra» wurde es, sondern sein vielleicht am wenigsten prominentes Bühnenwerk: «Daphne». Deren Uraufführung am 15. Oktober 1938 geriet nach Zeitzeugenberichten für den Komponisten zu...
Die Gladbecker Halle Zweckel im Norden des Ruhrgebiets ist ein imposanter Bau aus den heroischen Zeiten der Schwerindustrie. Nostalgie hängt im dunstigen Luftraum. Der erhebt sich hoch über den Gleisen, die Christof Hetzer unten auf dem Hallenboden in altem Stil neu verlegen ließ. Birkenbäumchen wachsen aus dem Schotter. Eine idyllisierte Industriebrache, wie so...
Fangen wir mit der Musik an, sie ist die eigentliche Sensation des Abends. Ein tönend bewegtes Feuerwerk. Kaum zu glauben, dass hier dasselbe Orchester spielt, das man in den vergangenen zwei Spielzeiten häufig übersteuert und unpräzise erlebt hat. Die Gegenwart gehört der Jugend. Nicht einmal 30 Jahre alt ist Patrick Lange, der neue Generalmusikdirektor der...
