Poesie und Niesanfall
Bei einem Souper in einem Pariser Salon hatte Gioachino Rossini eine für ihre fragwürdigen Sangeskünste bekannte Dame zur Tischnachbarin. Ihrem in dieser Hinsicht zweifelhaften Ruf zum Trotz wurde sie um eine Gesangsspende gebeten. Nach einigem Zieren kündigte sie eine Arie von Rossini an; davor flüsterte sie dem Komponisten zu: «Ich habe solche Angst!» Rossini: «Und ich erst ...!»
Nehmen wir an, notabene als Fiktion, es hätte damals anstelle dieser Dame der Tenor Maxim Mironov neben ihm gesessen – der Komponist hätte sich solche Ängste erspart.
Rossini wäre mit dem neuen Album des Russen hoch zufrieden gewesen. Mironov ist ein echter tenore di grazia, vom Timbre her weicher etwa als Juan Diego Flórez, weniger metallisch als dieser in der Stratosphäre, in der Farbe vielleicht auch weniger signifikant, doch stets angenehm. Allzu vehement attackierte Hochtöne hört man eher selten von ihm, vielmehr sucht er in der Höhe Kopfstimme und Brustresonanz angemessen zu mischen. Er klingt über alle Lagen hin ausgeglichen und auch in der Tiefe voll. Dabei muss er nie schwindeln, präsentiert seine Mittel stets ehrlich.
Mit seinem Album «Questo è Rossini» ehrt der Tenor den Schwan von Pesaro ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Gerhard Persché
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