Jedes Stück ein Gedicht
Unter den großen Komponisten des 19. Jahrhunderts ist Hugo Wolf der Lyriker par excellence. Bei ihm steht das Wort im Zentrum wie bei keinem seiner Vorgänger. Seine Musik dient den Dichtern – Goethe und Mörike zuallererst, aber auch Eichendorff, Paul Heyse und Emanuel Geibel. Gleiches ließe sich, über die Sprachen und Zeiten hinweg, nur noch von Francis Poulenc sagen. Ihm hat die belgische Sopranistin Sophie Karthäuser 2014 eine CD gewidmet («Les anges musiciens»), die zu den beglückendsten Liedeinspielungen der letzten Jahre gehört.
Wenn sie jetzt eine facettenreich zusammengestellte Auswahl von 23 Wolf-Liedern folgen lässt, so kommt das für eine nicht aus dem deutschen Sprachbereich stammende Sängerin einem Wagnis gleich. Nicht nur wegen der heiklen Textdeklamation, sondern auch angesichts einer einschüchternden Konkurrenz in diesem Repertoire. Umso bewundernswerter ist das Ergebnis: Karthäuser besteht die Herausforderung mit makelloser, akzentfreier Artikulation.
Die Sängerin, die – von William Christie und René Jacobs gefördert – hauptsächlich mit Barock- und Mozart-Aufführungen bekannt geworden ist, besitzt einen leicht ansprechenden hohen Sopran und ein individuelles, ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Uwe Schweikert
Zwei frühe Tondokumente des Dirigenten Carlo Maria Giulini, die auf dem deutschen Markt weitgehend ignoriert wurden, hat Günter Hänssler jetzt in seiner Profil-Edition neu aufgelegt. Sie bereichern die Diskografie dieses Musikers, auch in Hinblick auf sein Repertoire, in dem er später andere Schwerpunkte setzte.
«Iphigénie en Tauride», 1952 nach einer...
Man muss ihn einen erfolgreichen Sisyphus nennen, und so sieht er sich auch selbst. Als Opernintendant in Amerika hat David Gockley den Stein der Ästhetik immer den Berg hochgerollt, um zu sehen, wie er auf der anderen Seite als Stein der kommerziellen Abhängigkeit wieder herunterrollte. Abgehalten von seiner unerschrockenen Politik der Innovation hat ihn das...
Auf der Opernbühne trifft man Sie selten an, Herr Boesch. Woran liegt’s?
Erstens bin ich ein begeisterter Familienvater. Mein eigener war Opernsänger – und viel zu selten zu Hause. Das war für mich keine Option.
Und zweitens?
Bin ich eine totale Mimose. Ich leide unter schlechtem Musiktheater mehr als irgendwer sonst, den ich kenne. Das heißt nicht, dass ich mit Oper...
