Apropos... Klangrede
Auf der Opernbühne trifft man Sie selten an, Herr Boesch. Woran liegt’s?
Erstens bin ich ein begeisterter Familienvater. Mein eigener war Opernsänger – und viel zu selten zu Hause. Das war für mich keine Option.
Und zweitens?
Bin ich eine totale Mimose. Ich leide unter schlechtem Musiktheater mehr als irgendwer sonst, den ich kenne. Das heißt nicht, dass ich mit Oper grundsätzlich nichts anfangen kann. Ich wähle nur irrsinnig genau aus, was ich mache – und mit wem.
Mit Claus Guth arbeite ich zum Beispiel so gern, weil er die Werke ernst nimmt und zugleich gewissermaßen neu erfindet.
In erster Linie sind Sie Liedsänger. Den Job gibt’s doch eigentlich gar nicht.
Ich hab’s von langer Hand drauf angelegt. Genau wie im Theater muss man sich raufdienen. Bloß fängt man kleiner an, als die meisten sich das vorstellen können. Ich habe jahrelang sozusagen auf jedem Misthaufen einen Liederabend gegeben, wenn man mich nur gelassen hat. Oft für kein oder unfassbar wenig Geld. Es hat mich viel gekostet, an diesen Punkt zu kommen.
Nicht nur Ihr Vater Christian war Sänger, sondern auch Ihre Großmutter Ruthilde. Wann war klar, dass Sie die Familientradition fortsetzen?
Das war überhaupt nicht klar! Es ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Wiebke Roloff
Alle 42 Opern auf einen Schlag? Das muss eine Ente sein. Ist es aber nicht. «Wir haben das wirklich vor», sagt Tobias Wolff nach der Dernière des «Imeneo», mit der am Pfingstmontag die diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele zu Ende gingen. In vier Jahren hofft der seit 2012 amtierende Intendant, den Marathon präsentieren zu können, zum 100. Geburtstag des 1920...
Die Klassiker sind einfach nicht wegzudenken aus dem Repertoire. Das gilt auch für Rossinis exakt 200 Jahre alten «Barbier von Sevilla», der selbst angesichts einer Schwemme von Ausgrabungen, die inzwischen noch das obskurste Werk des italienischen Komponisten aus der Versenkung gespült hat, immer seine beliebteste Oper sein dürfte. Und bei einer schlagenden...
Ob mit dem genialen Cellisten Emanuel Feuermann, den er am 4. Juni 1924 in Poppers «Serenade» mit Bass-Schmackes am Klavier begleitet, oder als Dirigent, der dem vom «Launischen Glück» schmalzenden Joseph Schmidt (in Strauß’ «Tausendundeine Nacht») den Orchestersamt um den Tenor fältet – Frieder Weissmann war im Zeitalter der Schelllackplatte ein verlässlicher...
