Herz und Heimat
Leos Janáceks «Katja Kabanová» handelt von der Unerträglichkeit des Lebens in einer russischen Provinzstadt an der Wolga. Anders als in Janáceks Vorlage, dem Drama «Gewitter» von Aleksander N. Ostrowskij, stirbt die mit dem stumpfen Kaufmann Tichon verheiratete und von ihrer bigotten Schwiegermutter unterdrückte Katja aber weniger an der starren Ordnung als von innen heraus. Wie Kleists Penthesilea ist sie eine Extremistin der Gefühle, getrieben von der Sehnsucht nach dem Unbedingten, vor dem es – sie sagt es selbst – «kein Entweichen» gibt.
Jossi Wieler und Sergio Morabito, die sich zum ersten Mal mit einem Werk Janáceks auseinandersetzen, bringen beides ins Bild: die mit höchster Emphase in Musik gegossene ekstatische Getriebenheit der von erotischen Verschmelzungsfantasien beflügelten Katja («ich träume manchmal, dass ich ein Vogel bin») und die bornierte Kleinbürgerlichkeit des in Janáceks Texteinrichtung eher zurückgedrängten sozialen Umfeldes. Bert Neumann trennt die Bühne durch einen quer verlaufenden weißen Zaun, der das (unsichtbare) Wasser vom Land, die Wolga vom Wohnbereich der Kabanovs abgrenzt. Den Fluss sieht man nur als Farbfoto auf einer Plakatwand mit der ...
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