Verdis schwieriges Erbe

RAI-Produktionen von Ponchiellis «I Lituani» und Boitos «Nerone» bei Bongiovanni

Opernwelt - Logo

Es war die Idee des Verlegers Giulio Ricordi, zwei vorher nur mäßig erfolgreiche und in ihren künstlerischen Ambitionen grundverschiedene Männer wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli zu einem Erfolgsteam zusammenzubringen, ja, zu zwingen. Boito hatte mit seiner ehrgeizigen Goethe-Adap­tion «Mefistofele» (1868) einen der größten Skandale der Operngeschichte provoziert, Ponchielli war noch eine Provinzgröße, die nach einigen Fehlschlägen mit der Zweitfassung seiner Manzoni-Oper «I promessi sposi» gerade etwas Boden unter den Füßen gewonnen hatte. Not macht erfinderisch.

Weil Verdi sich nach der «Aida» von der Opernbühne zurückgezogen hatte, musste ein Nachfolger gefunden werden. Ricordi fasste Ponchielli ins Auge und versicherte sich der Mitarbeit Boitos, den er als Literaten, weniger als Komponisten schätzte. Aus der einmaligen Zusammenarbeit entstand «La Gioconda», die einzige Ponchielli-Oper, die sich bis heute im Repertoire gehalten hat.
Für Boito war es eine Brotarbeit, die ihn von der Weiterführung an seinem eigenen Großprojekt «Nerone» abhielt, für Ponchielli der lang ersehnte Durchbruch, nachdem auch die von Ricordi bestellten «Lituani» an der Scala nicht mehr als einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: CDs, Seite 55
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sempre aperto - per tutto

Die Initialzündung kam von Peter Stoltzenberg, damals Intendant in Heidelberg. Er hatte die junge, im Konzert­bereich schon weithin bekannte Altistin Ortrun Wenkel mit weltlichen Bach-Kantaten gehört und war hingerissen von ihrer theatralischen Ausstrahlung, die sie ohne szenische Unterstützung allein aus ihrer Persönlichkeit he­raus auf dem Podium entwickelte....

Penner auf der Straße des Lebens

Es sind Stationen, die sich aus der Rückschau zur Reihe fügen. 1983, Komische Oper: Am Schluss von Mussorgskys monumentalem Versuch einer «Gegengeschichtsschreibung» (Ulrich Schreiber) senkt sich ein riesiges Leichentuch über Bühne, Volk und Herrscher. Die DDR liegt in den letzten Zügen. Eine «Zeit der Wirren» scheint antizipiert, ganz wie beim historischen Zaren...

Mozart: Così fan tutte

So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rhein­oper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...