Anmut und Innerlichkeit
Die Sopranistin Edith Mathis war in den 1970er- und 80er-Jahren als Mozart-Interpretin, aber auch als Oratoriensängerin in aller Welt gefragt und an vielen Operneinspielungen beteiligt. Dennoch ist es um ihren Nachruhm schlecht bestellt. Ihre großen Mozart-Partien hat sie mehrfach aufgenommen, war überdies an der Entdeckung seiner frühen Bühnenwerke wie an der des Opernkomponisten Haydn beteiligt – Einspielungen, die inzwischen vom Wandel der Aufführungspraxis ins Abseits gedrängt wurden.
Vollends anachronistisch wirken heute die romantisierenden Bach-Aufnahmen Karl Richters, zu dessen bevorzugten Protagonistinnen sie gehörte. Von Mathis’ zahllosen Ausflügen ins Liedrepertoire zeugen noch eine frühe Mozart- und eine späte Schubert-Auswahl, während Großtaten wie ihre Schumann-Lieder mit Christoph Eschenbach oder die Gesamtaufnahme von Wolfs «Italienischem Liederbuch» mit Peter Schreier gestrichen wurden.
Umso erfreulicher ist es, dass das Label Audite in seiner Serie historischer Aufnahmen vom Lucerne Festival jetzt den Mitschnitt eines Lied-Rezitals vom 3. September 1975 veröffentlicht. Für den unvorbereiteten Hörer wirkt er wie eine Offenbarung. Der erste Eindruck, der sich ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 25
von Uwe Schweikert
Was für ein verrückter Abend! Unbotmäßig und aberwitzig ist er, irritierend, inspirierend, intrikat, frech, voller Fantasie, Furor und Finesse. Kurz: ein Abend wie ein Rausch, der vorüberfliegt. Oder auch wie die Reise durch eine Matrix, aus der es definitiv kein Entrinnen gibt.
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