Die Liebe, der Tod und das Meer
Neugierig macht das Programm der neuesten CD der franko-kanadischen Altistin Marie-Nicole Lemieux mit drei selten zu hörenden Orchesterlieder-Zyklen des Fin de Siècle allemal. Ernest Chaussons berückendes «Poème de l’amour et de la mer» wird dabei umrahmt von Edward Elgars herben «Sea Pictures» und der Erstaufnahme der allegorischen «Ode symphonique» «La Mer» des gänzlich unbekannten Victorin Joncières, dessen «Dimitri» die Stiftung Palazzetto Bru Zane 2014 in ihrer Reihe vergessener Opern des französischen 19. Jahrhunderts wiederaufgelegt hat.
In allen drei Werken, deren Texte um das erotisch aufgeladene Symbol des Wassers kreisen, klingt einerseits Wagners Harmonik nach und wetterleuchtet andererseits bereits die lichtdurchflutete Klangfarbenkunst des musikalischen Impressionismus. Dabei wahren alle drei Komponisten ihre künstlerische Eigenständigkeit – am entschiedensten Chausson, bei dem sich Wagners Tonfall und eine genuin französische Melodik zu einer betörend einzigartigen Musik verbinden.
Leider ist die Aufnahme, trotz des klangschön inspirierten Spiels des Orchestre National Bordeaux Aquitaine unter seinem Chefdirigenten Paul Daniel, keine Offenbarung. Lemieux’ Stimme ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 23
von Uwe Schweikert
Einer der Erfolgssongs der Pop-Gruppe Erste Allgemeine Verunsicherung provozierte mit dem Refrain: «Einmal möchte ich ein Böser sein, eine miese Sau.» Ein erfüllbarer Wunsch, wie ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt. Auch Titus Flavius Vespasianus (39-81) war nicht jener Gutmensch, als der er in Mozarts letzter Oper beworben wird. So ließ er Jerusalems Tempel...
Die präpotenten römischen Besatzer tragen Brustpanzer aus Plastik. Vittoria Yeo, Oberpriesterin der naturverbunden matriarchalischen Gallier, darf als Norma zu ihrer Signet-Arie «Casta Diva» eine Mondsichel in Händen halten. Die in edlen Tableaux erstarrten Damen und Herren des überwältigend eloquenten Chores behaupten die Ursprünglichkeit ihrer den Eroberern...
Ochi Chernye», das Lied von den «Schwarzen Augen», dient nicht nur als Code, unter dem der sich als russischer Ballerino ausgebende Fred Astaire in «Shall We Dance» seine Ginger wiederfindet, sondern ist zugleich ein melancholischer Fokus russischer Identität. So überrascht denn doch ein wenig, dass Ildar Abdrazakov mit dieser Nummer (vom Galakonzert unter Valery...
