Problemfall «Rigoletto»
Ein Vater, der in seinem Brotberuf Zyniker vom Dienst ist, seine junge Tochter wegsperrt, sie nur zum Kirchenbesuch aus dem Haus lässt und ihr verheimlicht, wer ihre Mutter war.
Wie soll man das heute inszenieren? Wo soll eine zeitgemäße Interpretation ansetzen, wenn ein notorischer Erotomane gehobenen Standes, der jede Frau umsonst haben kann, sich mit einer Prostituierten vergnügt? Wie lässt sich eine 1851 in Venedig uraufgeführte Schaueroper plausibel darstellen, die auf einem überkommenen Gesellschafts-, Männer- und Frauenbild fußt? Ist Giuseppe Verdis «Rigoletto» überhaupt noch glaubhaft über die Rampe zu bringen?
Seit Mitte September ist am Mainfranken Theater in Würzburg zu besichtigen, dass es geht. Regisseur Markus Trabusch und Dirigent Enrico Calesso weichen diesen Fragen nicht aus, sie finden atemraubende Antworten – auch und gerade aus weiblicher Sicht. Die Partygesellschaft, die sich zu Beginn vor und hinter den Stegplatten aus Acrylglas vergnügt, lebt in einer sehr heutigen Lebenswelt (Bühne und Kostüme: Susanne Hiller). Aber niemandem wird hier einfach ein MeToo-Label angeheftet. Die Gräfin Ceprano in ihrem pinken Cocktailkleid ist kein willenloses Opfer, sie ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Monika Beer
Als «tragisch-satirische Oper» hat Schostakowitsch «Lady Macbeth von Mzensk» bezeichnet. Für die kaltblütige Mörderin bekannte er sogar «Sympathie», während er bestrebt gewesen sei, den sie «umgebenden Lebensverhältnissen einen finster-satirischen Charakter zu verleihen» – eine Selbstexplikation, die nicht dadurch ins Recht gesetzt wird, dass Stalin die musikalisch...
Es ist ein Opernabend der anderen Art. Im ausverkauften Opernhaus von Baku freilich gehört die Aufführung von «Leyli und Madschnun» zum festen Ritual eines dem aserbaidschanischen Komponisten Uzeyir Hadschibeyli gewidmeten Festivals. Während auf der Bühne das große Liebesdrama zelebriert wird, leuchten im Publikum unentwegt Handys auf, es wird fotografiert und...
In Fragebögen für Prominente findet sich die Rubrik «Lieblingskomponist»: Meist werden da die üblichen Verdächtigen genannt: Bach, Chopin, Verdi, Richard Strauss usw. So unbestreitbar deren Rang ist, so wenig lässt sich manchmal der Verdacht verdrängen, dass es sich da auch um Lippenbekenntnisse kultureller Wohlanständigkeit handelt. Bei zwei Komponisten allerdings...
