Die Macht der Leere
Eine klare Sache, dieser «Boccanegra». Durch konsequente Weglassung historischer Staffage gelingt es Benedikt Borrmann, Verdis lange vernachlässigter Oper zu einem nachvollziehbaren Bühnenleben zu verhelfen. Hafentrubel, Korsarenromantik, Renaissanceopulenz hätten bei dem Versuch, den Konstellationen zwischen den unglücklichen Personen auf den Grund zu gehen, nur gestört. Nein, Glück gibt es in diesem Einheitsbühnenbild von japanischer Schlichtheit wirklich nicht. Eine gerundete, rechtwinklig strukturierte Milchglaswand schließt die Einheitsbühne nach hinten ab.
Sie ist Barriere für die Blicke, die sich nicht vom Geschehen vorne ablenken lassen sollen. Zweimal bekommt sie eine eigene «Rolle», als der Schatten Fiescos, der geheimen Macht im Hintergrund, zu sehen ist und als das Blut des hingerichteten Verräters Paolo das trübe Glas befleckt und die Versöhnungsszene zwischen Simone und Fiesco am Ende belastet.
Die Macht ist das zentrale Thema des Abends, die Macht, die der Doge über seine Bürger hat, die Macht, die seine Feinde über seine Tochter ausüben, die Macht, die jede menschliche Beziehung verhindert. Gebeugt von dieser Last sind die Personen keines zügigen Schrittes mehr in ...
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Das Werk hat es, ohne Wenn und Aber, verdient, aufgeführt zu werden, nach doch recht langer Zeit der ungerechten Behandlung. 1920 unter dem Titel «Die Vögel» (nach der gleichnamigen Komödie des Aristophanes) in der Musikwelt erschienen, wurde Walter Braunfels‘ spätromantische Allegorie auf die Möglichkeiten einer besseren, humaneren Welt nach nur wenigen...
«Heute Abend wünschte ich, dass Sie die Aufführung der ‹Theatralischen Abenteuer› sehen könnten; sie wird gewiss vorzüglich werden», schrieb Goethe am 5. Juni 1799 an Schiller. Vorzüglich – bis auf Defizite beim Sängerensemble – geriet auch die Neuproduktion jenes Singspiels beim Pergolesi Spontini Festival. Der Dichterfürst hat es gemeinsam mit seinem Schwager...
Gewartet hat niemand auf diesen neuen «Tristan». Der Katalog ist voll von erstrangigen Live- und Studio-Aufnahmen aus früheren Tagen, aber auch das aktuelle Angebot (Thielemann bei DG, Pappano bei EMI, Segerstam bei Naxos) dürfte den Bedarf bis auf Weiteres gedeckt haben. Der auf drei Abende verteilten konzertanten Aufführung aus London, die Warner nun drei Jahre...
