Ungefähre Welt

Freiberg, Braunfels: Die Vögel

Opernwelt - Logo

Das Werk hat es, ohne Wenn und Aber, verdient, aufgeführt zu werden, nach doch recht langer Zeit der ungerechten Behandlung. 1920 unter dem Titel «Die Vögel» (nach der gleichnamigen Komödie des Aristophanes) in der Musikwelt erschienen, wurde Walter Braunfels‘ spätromantische Allegorie auf die Möglichkeiten einer besseren, humaneren Welt nach nur wenigen Aufführungen von den Nationalsozialisten verfemt und aus dem Repertoire geworfen – mit der Folge, dass es für eine halbe Ewigkeit in den Schubladen liegen blieb: Musikgeschichte ist zuweilen erinnerungs­resistent.


In Bremen und dann in Köln wurde die Oper, deren stilistische Individualität frappiert (trotz oder gerade wegen der Nähe zum spätromantischen, die Moderne in den Blick nehmenden Habitus, zu Strauss, Wagner, ein biss­chen auch zu Pfitzner, Schreker) in jüngerer Vergangenheit wieder ins Scheinwerferlicht gestellt. Eine gewisse Etablierung ist die Folge. Wenn nun ein vergleichsweise kleines Haus wie das Mittelsächsische Theater in Freiberg mit diesem Werk seine neue Intendanz (Manuel Schöbel, erfahrener Theatermann, ist seit Beginn der Spielzeit im Amte) gleichsam klingend einberuft, dann wird man hellhörig: Denn nicht nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2006
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gioia di cantare

Leyla Gencer lässt sich nicht entmutigen. Bei ihrem tosend umjubelten Auftritt am Schlussabend der «Leyla Gencer Voice Competition» (in der zum Komplex des Topkapi gehörenden ehemaligen byzantinischen Kirche der Hagia Eirene) wirkt die zerbrechlich gewordene, aber noch immer voll innerer Energie sich zeigende Doyenne ein wenig wie Claire Zachanassian. Doch sie ist...

Besondere Kennzeichen: keine

Gewartet hat niemand auf diesen neuen «Tristan». Der Katalog ist voll von erstrangigen Live- und Studio-Aufnahmen aus früheren Tagen, aber auch das aktuelle Angebot (Thielemann bei DG, Pappano bei EMI, Segerstam bei Naxos) dürfte den Bedarf bis auf Weiteres gedeckt haben. Der auf drei Abende verteilten konzertanten Aufführung aus London, die Warner nun drei Jahre...

Weber: Der Freischütz

Er wartet nur darauf, nach «Wir winden Dir den Jungfernkranz» die Totenkrone überbringen zu dürfen: Ein androgyner Samiel hat sich verkleidet bei den Brautjungfern eingeschlichen und begleitet nun genervt das Ständchen für Agathe. Doch dass der personifizierte Teufel das komödiantische Zentrum der Inszenierung ist, behauptet Brigitte Fassbaender eher, als dass sie...