Sinnlos? Von wegen!
Aus den Schloten von Basstuba und Bassposaune steigen giftige Dämpfe auf – in übermäßigen und verminderten Quarten. Celli schmieren, dreifach geteilt, eine Mixtur aus chromatischen Quartsextakkorden auf den Untergrund wie Öl auf den Asphalt. Hörner und Holz bewegen sich in Gegenrichtung gleich Autos auf den Spuren einer Straße. Ihre Metren sind verschieden. Im Schlagzeug kesselt es. Gegen Pauke, Tamtam, Kastagnetten und Große Trommel schlägt die Rute einen Off-Beat. Dazu die Bilder: turmhohe Wohnquader. Grelles Geflacker der Neonreklame: Casino, Call Shop, Hotel Prinzessin.
Verheißungen von schnellem Geld, schnellem Sex und billigen Zimmern. Die Menschen dazwischen: verbraucht, zerlumpt, abgehetzt. Sinfonie einer Großstadt, Metropolis, Modern Times – das also hat Richard Strauss komponiert im ersten Akt der «Frau ohne Schatten». Amme und Kaiserin «tauchen hinab in den Abgrund der Menschenwelt, das Orchester nimmt ihren Erdenflug auf», steht in der Partitur vor Ziffer 107. Dass dieser Abgrund einer des industriell zugerichteten Lebens ist, einer der seelischen Verödung in technisierter Urbanität – das hört man in Leipzig dank der Bühne von Heike Scheele. Sie macht, schlagartig, die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jan Brachmann
Die Barockoper und die der Vorklassik sind heute fest in den Händen der Countertenöre. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht ein Solorecital eines der führenden oder aufstrebenden Vertreter dieses Fachs erscheint. Hier spiegelt sich die Hierarchie der barocken Theaterpraxis der Opera seria wider, in der die männlichen Hauptpartien Alt- bzw. Soprankastraten...
Christa Ludwig meint, als Mezzo-Sopran könne man überall dabei sein und alle ständig ärgern. Hat sie Recht?
Es stimmt schon, dass man als Mezzo ein bisschen lockerer bleiben kann. Bloß als Octavian, der die ganze Zeit auf der Bühne steht, nützt einem das auch nicht viel. Ich gebe gern zu, dass ich manchmal ein bisschen neidisch auf die Soprane bin – und auf die...
Das Strauss-Jahr 2014 beschert der «Frau ohne Schatten» einen regelrechten Boom. Auch kleinere Häuser trauen sich an das komplexe Werk, das eine fähige Besetzung und ein gut disponiertes großes Orchester braucht.
In Saarbrücken dokumentiert der scheidende GMD Toshiyuki Kamioka eindrücklich, warum er sich als Abschiedsproduktion gerade diese Märchenoper gewünscht...
