Banalität des Bösen
Die gepuderte Perücke taucht aus dem aufgeschäumten Kaffeeobers auf. Oder versinkt sie darin? «Latte Amadeus – mit einem Hauch von Mozart» ist die gastronomische Variante des Feldkirch Festivals 2006, wenn man so will eine ganz konsequente. Denn auch in der «kleinen historischen Stadt» (Fremdenverkehrsprospekt) auf der vorarlbergischen Alpenrheinseite hat der Jubilar alles erobert: vom Kaffeeglas bis zum Schaufenster, aus dem «Amadeus!» in meist gutbürgerlichen Varianten herauslugt.
Die Idee des Festivals auf dem Lande hat Tradition.
Stichworte: Konzentration, Konkurrenzlosigkeit. Man ist der Kunst ganz nahe – und den Künstlern. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit, Don Giovannis Alter Ego bei «Latte Amadeus» am Nachbartisch im Caféhaus zu erleben, in Feldkirch nicht gering. Das Festival unter der Künstlerischen Leitung Thomas Hengelbrocks setzt auf Unkompliziertheit. Hier Klassik, da Weltmusik. Die Spielstätten wirken alles andere als herausgeputzt. «Don Giovanni» im Montforthaus, einer Art kleiner Stadthalle mit dem diskreten Charme der Siebziger; eine Opernuraufführung am Tag später im fabrikähnlich umgebauten Alten Hallenbad. Werkstattatmosphäre.
Auch Thomas Hengelbrocks ...
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