Verdi: La forza del destino

Köln

Opernwelt - Logo

Noch vor der Ouvertüre baumelt ein riesiges Weihrauchfass über die Bühne. Dann verschwindet es, um erst in der letzten Szene wieder aufzutauchen. Es liegt im zersplitterten Bühnenboden – eine Bruchlandung. Natürlich ist das symbolisch gemeint. Natürlich ist eine solche Klammer zwischen Anfang und Ende immer wirkungsvoll. Doch zu retten ist dieser Abend mit solchen Einfällen nicht. Christian Schullers Inszenierung von Verdis «Forza del destino» kommt nie richtig in Gang. Die ers­ten beiden Akte gähnen Langeweile, Bewegungsarmut, Einfallsnotstand.

Zu Beginn bewegen sich die Figuren in grauem Wartesaal statisch nebeneinander her, mehr zum Publikum hingewandt als aufeinander eingehend.
Die folgenden Akte gewinnen ein wenig an Fahrt, ohne den Abend aus der Mittelmäßigkeit retten zu können. Wäh­rend Einzelideen – wie die Verortung des Geschehens zwischen improvisiertem Kriegslazarett und Prellbock – durchaus überzeugen, bleiben manche Szene sowie die Konzeption einzelner Figuren, allen voran der Preziosilla, überaus fragwürdig. Das permanente Geklimpere mit Waffen in den letzten Akten und die teilnahmslos wirkenden Ges­ten der Figuren, während Existenzielles wie Hass und Liebe, Hingabe ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
In der Manege

Im historischen Teatro Nacional de São Carlos hangelt sich Alberich als Quereinsteiger aus der No-Future-­Generation zur welterschütternden Tat. Nur mit roter Irokesenbürste und einem Wollhöschen bekleidet, das mehr schlecht als recht eine gewaltige Protuberanz verhüllt, kauert er auf einer güldenen Logenbrüstung, um sich an den Tutus und Pumps der drunten...

Modellhafte Interpretationen

Claudio Monteverdi spielt im Repertoire der großen internationalen Bühnen schon längst nicht mehr die Außenseiterrolle, in die er lange abgedrängt war. Es gab in den letzten vierzig Jahren viele wichtige, ja bahnbrechende Interpretationen in szenischer wie musikalischer Hinsicht. Der Ams­terdamer Zyklus seiner drei abendfüllenden Opern, der jetzt bei Opus Arte auf...

Irrlichternde Rollgitter

Da ist gerade ein Mann Amok gelaufen und hat alles um sich herum zerstört. Nun überfällt ihn eine plötz­liche Müdigkeit. Lediglich zwei warme, zarte Viole
d’amore begleiten den Mann. Und niemand weiß, ob es danach jemals wieder ein Leben gibt. Es war dies die ergreifendste Szene des ganzen Abends. Das Erwachen von David Daniels in der Münch­ner Erstauffüh­rung von...