Natürlichkeit ist harte Arbeit

Mit der Oper hat Bryn Terfel manchmal so seine Schwierigkeiten. Ein Gespräch übers Älterwerden, Landleben und einen guten Grund, nicht in Bayreuth zu singen

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Herr Terfel, Sie sind einer der erfolgreichsten Sänger überhaupt. Woher kommen die Gerüchte, Sie wollten Ihre Karriere aufgeben?
Vor einiger Zeit habe ich für ein Jahr meine Opernaktivitäten ausgesetzt, um mich auf Lied und Oratorium zu konzentrieren – Oper kostet viel Zeit. Und mit 45 war ich tatsächlich an einem Punkt, an dem ich darüber nachgedacht habe, mich ganz von der Bühne zurückzuziehen. Das habe ich damals allerdings öffentlich nie ausgesprochen.

Und zum Glück hat sich die Stimme so gut entwickelt, dass ich mich heute auf ganz unterschiedlichen Gebieten ausprobieren kann.

Sie möchten nicht zu viel arbeiten, oder!?
Genau. Ich bin ein lyrischer Bariton, singe in letzter Zeit aber viel Wagner. Das ist gar nicht leicht, denn es bedeutet, mit noch mehr Bällen gleichzeitig zu jonglieren. Es gibt auch etliche Rollen, mit denen ich mich nicht ganz wohlfühle. Scarpia in «Tosca» zum Beispiel ist mir nie leichtgefallen. Besonders im zweiten Akt liegt mir die Partei nicht besonders gut in der Kehle. Auch Don Giovanni hat mich nie sonderlich gepackt. Und Hans Sachs? Verteufelt anstrengend. Auch wenn man sich vornimmt, das nicht als Arbeit, sondern als pure Freude zu betrachten. Wagner ...

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Opernwelt November 2015
Rubrik: Interview, Seite 38
von Kai Luehrs-Kaiser

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