Die Oper mit der Ziege
Meyerbeer als Komiker – das ist eine Vorstellung, an die sich vermutlich auch jene Generationen nicht gewöhnen werden, bei denen der Grand Opéra-Meister wieder durchgesetzt sein könnte. So war es ein mutiger Schritt, den Meyerbeer-Zyklus an der Deutschen Oper Berlin – szenisch angestoßen durch den monumentalen «Vasco da Gama» – mit Meyerbeers vorletzter Oper «Dinorah» zu eröffnen, konzertant in der Philharmonie. Dabei entstand 2014 dieser überaus erfreuliche Live-Mitschnitt (unter Mithilfe der Stiftung Palazzetto Bru Zane).
Die «Oper mit der Ziege», wie man das Werk getrost nennen könnte, wird es aufgrund des tierischen Maskottchens der Handlung kaum auf die Bühnen der Welt zurückschaffen: Die dürre, mä-ä-ä-ä-äh-machende Hornträgerin begleitet treu die von Anfang an wahnsinnige Titelheldin durch die Berge. Nun ja.
Patricia Ciofi ist eine Belcanto-Sängerin, welche artgerechte Gesangstechnik damit bezahlt hat, kein echter Star zu werden. Ihr brennend fein fokussierter, leicht spröder Sopran lässt sie hinter dem tirilierenden Jubelklang einer Schallplatten-Vorgängerin wie Luciana Serra zurückstehen. Dafür trifft sie die romantische Zweideutigkeit der Schattentänzerin weit besser. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Kai Luehrs-Kaiser
Die Bühnenstatistik bestätigt der «Zauberflöte» Jahr für Jahr den Dauerbrenner-Status. Dabei ist das Stück mit seinem langen zweiten Aufzug gar nicht leicht zu inszenieren. Und was tun mit den Dialogen? Kürzen? Umschreiben? Aufpeppen? Damit Papagenos Mundart-Witze nicht zu matten Schenkelklopfern verkommen, braucht’s mindestens ein gutes Gespür für Timing....
Zwischen 1920 und 1940 war «Samson et Dalila» an der Pariser Opéra die am zweithäufigsten gespielte Oper – sie kam in der Statistik gleich nach Gounods «Faust». Doch Ruhm ist vergänglich, jedenfalls in der Rezeptionsgeschichte dieses Werks. Die letzte Neuproduktion liegt jetzt 25 Jahre zurück: Damals tat Pier Luigi Pizzi Camille Saint-Saëns’ Meisterwerk mit seiner...
Die Geschichte spielt in ferner Vergangenheit, tief im Alten China. Doch die Themen, die in Bright Shengs «Dream of the Red Chamber» verarbeitet werden, sind jedem Operngänger vertraut. Im aktuellen Auftragswerk der San Francisco Opera – Intendant David Gockley, gerade in den Ruhestand verabschiedet, hat die Kompanie als Hort von Neuschöpfungen etabliert – geht es...
