Arm, aber glücklich?
Ein Fisch! Endlich etwas auf dem Tisch. Satt werden Rodolfo und seine Kumpanen davon bestimmt nicht, aber was tut’s. Ein munteres Völkchen, diese Pariser Lebenskünstler, auch mit leerem Magen. So zeigen es uns viele Inszenierungen von Puccinis La Bohème, auch jene von Davide Livermore in Valencia. Seine turbulente Personenführung macht den Leuten Laune. Bei Mimìs tragischem Tod am Schluss werden zwar einige Taschentücher aus den Abendtaschen geholt – doch sie verschwinden gleich wieder, denn schon in die Schlusstakte der Oper hinein ertönen die ersten Bravos.
Arm, aber glücklich? Das Sprichwort «Ein voller Bauch studiert nicht gern» fällt uns ein, ursprünglich wohl auf die Verdauungsmüdigkeit bezogen, aber verhängnisvollerweise durch die Jahrhunderte auch gern benutzt, um künstlerisch und geistig Kreative zu gängeln. So arbeiten unzählige (Frei-)Schaffende der bildenden, darstellenden und schreibenden Zunft für Honorare, für die (umgerechnet auf Stundenlöhne) die meisten Putzfrauen den Besen nicht aus der Ecke holen würden. Auch heute, im Zeichen der Krise – während Zocker, deren Tun die Welt an den Rand des Abgrunds drängt, in den Privatgaragen ihre Ferraris polieren.
Die Kleinen ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché
Eva-Maria Westbroek
gibt jeder ihrer Rollen ein ganz persönliches Profil. Jetzt debütiert die niederländische Sopranistin in Brüssel als Puccinis Manon Lescaut. Weg von der Wagner-Strauss-Schiene: eine gute Entscheidung
Joseph Calleja
ist Malteser, Mitte Dreißig und einer der gefragtesten Tenöre unserer Zeit. An der
Metropolitan Opera hat er bereits drei...
Wer historisch informierte Aufführungspraxis sagt, meint in der Regel nicht die Operette. Dass indes Werke des Unterhaltungstheaters des späten 19. und 20. Jahrhunderts durch Bearbeitungen nicht selten ihrem Originalklang schnell entwöhnt wurden, ist zwar keine neue Erkenntnis, interessiert aber in der Regel wenig. Das gilt nicht für Florian Ziemen. Der...
Vor der Opéra Bastille demonstriert eine dichte Menschenmenge für die Homoehe, es erfordert Geduld und Körpereinsatz, sich überhaupt den Weg ins Theater zu erkämpfen. Da macht die Biederkeit der neuen Pariser Carmen doch recht betroffen: Söldner in beigen Uniformen treffen in einer Lagerhalle auf Tabakarbeiterinnen, deren bunte Trägerhemdchen unterm offenen Kittel...
