Famoses Entertainment
«Schlag nach bei Shakespeare», trällern die beiden Ganoven in Cole Porters Broadway-Genie-Streich von 1948. Das Ziel, von der renitenten Schauspielerin Lilli Vanessi alias Katharina die Spielschulden ihres (natürlich immer noch geliebten) Verflossenen Fred Graham alias Petruchio einzutreiben, haben sie zwar nicht erreicht.
Und auch der in flotter Song-Duett-Verpackung daherkommende Bildungsauftrag an die Kundschaft der Komischen Oper dürfte kaum als Appell verstanden werden, sich mal wieder «Hamlet», «Romeo und Julia» oder «Der Widerspenstigen Zähmung» vorzunehmen, jenen Klassiker, den Porter seiner Musical Comedy zugrunde legte. Aber das macht überhaupt nichts. Denn selbst wenn Barrie Kosky, der designierte Intendant des Hauses, die von Samuel und Bella Spewack geschriebene und von Susanne Felicitas Wolf in trefflich kalauerndes Neudeutsch übertragene Shakespeare-Persiflage schrill gegen den Showbiz-Strich bürstet, so geht es doch vor allem um das Eine: Entertainment bis zum Abwinken.
Und das funktioniert famos. Schon weil man mit Dagmar Manzel die beste Kate weit und breit angeheuert hat. Nach einem erfolgreichen Auftritt als Mrs. Lovett in Stephen Sondheims mäßig erfolgreichem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Arme Donna Leonora di Vargas: Ungeheuerlich die Macht des Schicksals, die an ihrer Seele frisst. Vom kleinen «h» hinauf bis zum zweigestrichenen «H» reicht das Leidpotenzial, das Verdi der weiblichen Hauptfigur seines Melodramma «La forza del destino» in die Partitur hineingeschrieben hat. Was die Angelegenheit verkompliziert, ist die Tatsache, dass sich innerhalb...
Schon mit dem Bühnenerstling «Adolf Wölfi» steuerte Georg Friedrich Haas 1981 auf das Spannungsfeld von Genie und Wahn zu. Auch «Nacht», die zweite Kammeroper des 1953 in Graz geborenen Komponisten, befasste sich in den neunziger Jahren anhand von Textfragmenten Hölderlins mit dem Thema «Umnachtung». Nach einem Exkurs zu Poe und Kafka, deren Texte gleichfalls eher...
Für einmal macht Triquet keine graziösen Faxen, sondern stürmt und drängt, führt quasi die Leiden des jungen Werther vor. Am Schluss seiner Couplets schenkt er Tatjana, die er offenbar tief verehrt, eine dunkle Blume – jene Blume des Abschieds vielleicht, von der Rilke sagt, sie blühe irgendwo und streue «immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im...
