Die Möglichkeit der Liebe
Arme Donna Leonora di Vargas: Ungeheuerlich die Macht des Schicksals, die an ihrer Seele frisst. Vom kleinen «h» hinauf bis zum zweigestrichenen «H» reicht das Leidpotenzial, das Verdi der weiblichen Hauptfigur seines Melodramma «La forza del destino» in die Partitur hineingeschrieben hat. Was die Angelegenheit verkompliziert, ist die Tatsache, dass sich innerhalb der Tessitura nicht eben selten Sprünge finden, die den kurvenreichen Leidensweg dieser vergeblich liebenden Frau in Musik fassen.
In wenigen Momenten schwankt das Gefühl der Leonora vom Zu-Tode-betrübt-sein bis zur himmelhoch jauchzenden Freude.
In Brüssel ist Eva-Maria Westbroek diese Leonora. Sie gibt ihr Rollendebüt als Don Alvaros (keusche?) Gespielin. Liest man das Libretto von Francesco Maria Piave, man könnte ins Grübeln geraten über die Frage, wer diese Frau eigentlich ist, die den Weg aus der irdischen Verdammnis zum religiösen Unschuldsfeld so kühn beschreitet. Sieht und hört man Eva-Maria Westbroek, ist die Frage rasch beantwortet. Ihre Leonora mag verzweifelt sein aufgrund der tragischen Ereignisse um sie herum, doch unentschlossen ist sie nie. Sie wählt den Weg in die Einsamkeit der Einsiedelei bewusst. Die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
München leuchtete, wie Thomas Mann mit süffisanter Euphorie notierte, oder zumindest: die Münchner Opernwelt, die seit jeher den Glanz liebt und den historischen Reichtum bewirtschaftet. Zwei stattliche Premieren der Bayerischen Staatsoper setzten im Zehn-Tage-Abstand charakteristische Akzente. Wobei insbesondere die Eröffnung der Münchner Opernfestspiele – der...
In der Regel singt der Mensch, um einen außerordentlichen Gefühlszustand auszudrücken – ein Umstand, den sich der Kunstgesang zunutze macht, speziell in der Oper. Wenn einer nun «Bitte ein großes Bier» schmettert, so handelt es sich entweder um einen säumigen Vokalisten, der die Bestellung in der Kantine dazu benutzt, um sich für die Probe einzusingen. Oder aber...
Seien wir ehrlich: Dies Werk zu (be-) greifen, ist schlichtweg ein Akt des Unmöglichen. Zu mäandernd fließt der Strom der Gedanken, zu üppig gestaltet sich die Ausschweifung des Geistes, und vor allem: Zu (entstehungs)zeitimmanent ist vieles, um es heute noch ins rechte Licht der Erkenntnis rücken zu können. Selbst ausgewiesene Kenner der Materie raten deshalb zu...
