Vom Rotzlöffel zum Rächer
Geschichtsaufarbeitung überall, hundert Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs. Das «Marsdrama» von Karl Kraus darf nicht fehlen. Vor 450 Jahren begann der Freiheitskrieg der Niederlande gegen die spanische Blutherrschaft. Später gab ihm Charles De Coster in seinem Roman die Leitfigur des Ulenspiegel. Heute wimmelt es auf der ganzen Welt von Aufständen, Freiheits-, Sezessions-, Stellvertreter- und nicht erklärten Kriegen.
Glaubte man Adornos apodiktischem Wort, nach Auschwitz sei kein Gedicht mehr möglich, und wäre das schlechte Gewissen für das eigene Überleben nach den Toten des Jahrhunderts die moralische Elle, so hätten Kunstwerke, zumal die, die nicht das Grauen der Gewalt, der Sinnlosigkeit, der Dummheit zu ihrer Sache machen, kein Lebensrecht mehr. Aber kann man Walter Braunfels in seinem 1913 uraufgeführten «Ulenspiegel» sein naives, quasirevolutionäres Engagement am Vorabend des Weltkriegs vorrechnen? Schließlich ahnten die wenigsten, dass dem Weltbrand nur noch der Zündfunke fehlte.
Der Verein EntarteOpera, geleitet von Susanne Thomasberger und Martin Sieghart, hatte beim Brucknerfest 2013 erfolgreich Schrekers «Schatzgräber» in der Linzer Tabakfabrik produziert (OW ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Dietmar Polaczek
Allem Verfallsgejammer zum Trotz – worin sich in den letzten Jahren besonders Thomas Quasthoff gefiel – ist das Lied in Deutschland vital geblieben. Den Tenor Daniel Behle kann man schon jetzt, im Jahr seines 40. Geburtstags, zu den Großen des Fachs zählen. Seine Lied-CDs waren bislang vorzüglich; die Richard-Strauss-Platte von 2012 mit dem Pianisten Oliver...
Der eine ist gewissermaßen der legitime Genius Loci. Ein bisschen eingeklemmt zwischen Wank, Kramer und Wettersteingebirge, ein Talkessel mit hohen Tellerrändern, wo sich’s für Richard Strauss, dem immer mehr die Realität Negierenden, naturgemäß gut existieren ließ. Auch der andere Ort versteht sich, wie Garmisch-Partenkirchen mit seinem Komponisten-Festival, als...
Dass Jacques Offenbach ein romantischer Universalkomponist war, wussten schon seine Zeitgenossen. Auch nach seinem Tod blieb Offenbachs Poesie hellen Ohren nicht verborgen (Karl Kraus!). Insofern bietet die Beschäftigung mit seinen sechs Opern – die unaufgeführten, unvollendeten und Mischgattungen nicht mitgezählt – kaum Überraschungen. Wie aber der «Kontinent...
