Auf Sparflamme
Wenn es Sommer wird, müssen die Bilder weg. Da lächeln in den Foyers des Landestheaters nicht mehr die Ensemblemitglieder von den Wänden, ob aus Oper, Schauspiel oder Ballett. Dann gibt es einen Monat lang andere Fotos zu sehen: aus Antonio Cestis «L’Argia», Francesco Cavallis «Giasone», Antonio Sartorios «Giulio Cesare» oder aus Johann Adolph Hasses «Solimano». Alles barocke Großtaten aus einer Zeit, als er noch hier regierte, René Jacobs.
Einer, der seine Spürnase in die Archive steckte, längst bevor das schick war auf dem CD-Markt; der Trouvaillen aus den Regalen zog und diese auf seine ansteckend überrumpelnde Art zu Klang und Realität werden ließ.
Doch Jacobs ist weg und das Geld mittlerweile auch. Den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik geht es nicht gut. Manche glauben, bald müssten die Bilder gar nicht mehr ausgetauscht werden, weil das Festival ohnehin ins Landestheater eingegliedert werde. Einige aus der Politik wünschen sich das, die beiden Kulturinstitutionen naturgemäß weniger. Als Notfallmaßnahme trennte sich das Festival von Geschäftsführerin Christa Redik. Sie soll unter anderem versäumt haben, Subventionen in Höhe von 330 000 Euro beim Bund zu beantragen – ...
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Opernwelt November 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel
Die Musik von Bach bis Richard Wagner und Richard Strauss ist Höhe- und Schlusspunkt göttlichen Menschentums, letzte Erfüllung und Enthüllung des Mythos.» Am 25. Februar 1944 wurde dieser erhaben gestimmte Satz zu Papier gebracht – freilich nicht von einem Parteigänger der Blut-und-Boden-Ideologie, der im Angesicht des drohenden Untergangs verzweifelt die Vormacht...
Dass Jacques Offenbach ein romantischer Universalkomponist war, wussten schon seine Zeitgenossen. Auch nach seinem Tod blieb Offenbachs Poesie hellen Ohren nicht verborgen (Karl Kraus!). Insofern bietet die Beschäftigung mit seinen sechs Opern – die unaufgeführten, unvollendeten und Mischgattungen nicht mitgezählt – kaum Überraschungen. Wie aber der «Kontinent...
Wes Geistes Kind «Atys» auch ist: In Kiel lässt die Zentralperspektive des Bühnenraums zumindest ahnen, warum gerade diese Tragédie lyrique von Jean-Baptiste Lully gern als opéra du roi bezeichnet wird. Alle Bodenlinien zielen letztlich auf König Ludwig XIV., der unsichtbar bleibt, sich hier einmal nicht als Sonnengott in Erinnerung bringt. Selbst Götter können...
