Wer ist ich?
Wenn sich der Vorhang öffnet und die schwarz ausgehängte Bühne freigibt, robbt ein nackter Mann mit einem überdimensionalen Hut über den Boden. Bald kommen zwei weitere nackte Performer hinzu – mit derselben spitz zulaufenden Kopfbedeckung, die mehr einer Ku-Klux-Klan-Maske als an einem Juden-Hut ähnelt. Dominiert wird die dunkle, meist nur dämmrig ausgeleuchtete Bühne von einem hochaufragenden, mit der schmalen Frontseite zum Auditorium ausgerichteten Glaskasten, in dem sich immer wieder geheimnisvoll stumme Szenen abspielen.
Vorne, in der Mitte, steht ein kleines, ebenfalls transparentes Wartehäuschen. Die Optik scheint starr, festgezurrt. Für bewegte Kontraste sorgen unablässig eingeblendete Bilder – rückseitig dient ein schmaler, die ganze Bühnenbreite einnehmender Video-Screen als Projektionsfläche, auf der in Zeitlupe eine farblich verfremdete Landschaft vorüberzieht; auf der Front des Glaskastens treiben grotesk verzerrte hermaphroditische Kartenspielfiguren ihr poetisch irrlichterndes Unwesen. Unablässig fällt Schnee aus dem Schnürboden, der am Ende im Video wieder aufwärts rieselt. Eine verrätselte Welt, deren Geheimnis sich auch am Ende nicht auflöst und die Zuschauer ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Uwe Schweikert
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder...
Das Kammerduett. Es war die Form, die ihm vielleicht am besten lag. Zwei Stimmen plus Cembalo, Laute(n) und Gambe – das reichte, um in so zuvor noch nicht gemischten Farben auszudrücken, was er in sich hörte. Agostino Steffani, 1654 im Veneto geboren, schöpfte vor allem aus Quellen des 17. Jahrhunderts, doch die fand er nicht nur in Italien, sondern auch in...
Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...
