Mörder unter uns
Wenn in der Ouvertüre zum ersten Mal der von drei dumpfen Paukenschlägen untermalte verminderte c-Moll-Septakkord erklingt, huscht über den noch geschlossenen Vorhang der schwarze Schatten eines Flugobjekts, das man nicht erwartet – eine Drohne.
In Jossi Wielers Straßburger Inszenierung, einer Koproduktion mit La Monnaie in Brüssel und dem Staatstheater Nürnberg, speist sich das Grauen, aber auch die Volkstümlichkeit dieses uns heute nicht mehr so recht geheuren romantischen Theaterspielwerks, so der Regiepartner Sergio Morabito, «nicht aus – beschworenem und/oder geächtetem – ‹deutschem Geist und deutscher Seele›, sondern aus den Verheißungen und Schrecken globaler Vernetzung, künstlicher Intelligenz und digitalisierten Überwachungs- und Kontrollstrukturen».
Die Gegenwärtigkeit, die das Regie-Duo behauptet, setzt aufs Ganze. Ihr «Freischütz» spielt heute, ohne auf platt oberflächliche Aktualisierung, gar Personifizierung zu zielen. Das Böse bedarf keines Samiels, keines Teufels mehr, sondern ist an die Technik delegiert, die uns alle mit ihrem immer wieder über die Szene huschenden schwarzen Schatten überwacht. Gleich die Introduktion ist kein harmlos-fröhliches Preisschießen, ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Uwe Schweikert
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Die Zerstörung der Artenvielfalt bedrohe die Menschheit mindestens genauso wie der Klimawandel, mahnte dieser Tage der Präsident des Biodiversitätsrats bei den Vereinten Nationen. Ähnlich wie etwa industrielle Landwirtschaft als eine der Ursachen für den Rückgang der Insektenbestände gelten kann, dürfte der kulturelle Globalisierungsprozess für das zunehmende...
Letzten August widmete das Magazin der «New York Times» dem Thema eine ganze Ausgabe: «Losing Earth. The decade we almost stopped climate change». Es ging um die Jahre 1979 bis 1989, als die Theorie der hausgemachten globalen Erwärmung zum ersten Mal ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte und die Mächtigen dieser Erde nur ein paar Unterschriften entfernt waren...
