Zum Verzweifeln

Wuppertal | Beethoven: Fidelio

Opernwelt - Logo

Diese Inszenierung ist ein Rätsel. Da gibt es im Programmheft eine Serie von Fotos, die die Solisten des Abends bei einem Besuch im Wuppertaler Polizeipräsidium und im Gefängnis zeigen: Die Menschen vereinzelt, verloren vor nackten Betonwänden, in Zellenfluren und Verhörräumen; und wiewohl die Sänger als Privatpersonen auftreten, sind doch Personen und Stationen der Handlung erkennbar.

Diese Bilder, ihr kaltes Licht, ihre ausgebleichten Farben, die Isolation der Menschen –  das alles verströmt eine bedrückende Atmosphäre der Gefangenschaft, einer an Hoffnungslosigkeit grenzenden Melancholie. Die Fotos erzeugen jene Oszillation zwischen dem Stück und der Gegenwart, die man von einer guten Inszenierung erwarten würde. Umso verblüffender (und enttäuschender), dass auf der Bühne nichts davon zu sehen ist.
Der neue Intendant Johannes Weigand hat das Stück im historischen Kostüm vor gequaderten Gefängnismauern und in einem dunklen Nicht-Ort mit Stufen und Säulen als Kerker (Ausstattung: Markus Pysall) schlicht und ergreifend durchgestellt. Es herrscht das längst überwunden geglaubte Als-ob-Theater verstaubtester Machart: Marzelline tut so, als ob sie mit ihrem Biedermeier-Bügeleisen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2009
Rubrik: panorama, Seite 58
von Ingo Dorfmüller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Neues vom alten Joseph

Er hätte ja gehen können, aber er blieb. Für lange. Haydn hielt den Ersterházys die Treue. Wohl auch, weil dort das Theaterleben munter brummte: Zwei Theatergebäude, ein großes Opernhaus, dazu ein kleineres Marionettentheater boten viele Möglichkeiten. Knapp 90 Opern hat Haydn dort binnen 14 Jahren einstudiert. Einziges Manko: Ihm standen kaum taugliche Solisten...

Bukolischer Charme

Nach seinen Hamburger Opern «Florindo» und «Daphne» hat Georg Friedrich Händel nur zwei weitere Werke auf deutsche Texte geschrieben: «Der für die Sünde der Welt gemarterte und sterbende Jesus» (1717) und «Neun deutsche Arien». Beider Autor war Barthold Heinrich Brockes, als Dichter, Rechtsanwalt, Senator und Diplomat ein Mann von weitreichendem Einfluss. Seine...

Eine Nase für Talente

Herr Clémeur, Sie waren achtzehn Jahre lang Intendant der Vlaamse Opera in Belgien. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe als Intendant der Opéra national du Rhin?
Straßburg liegt im Herzen von Europa. Hier kamen schon immer wichtige Straßen zusammen. Deutschland ist ganz nah, auch die Schweiz ist nur ein paar Kilometer entfernt. Das Publikum ist sehr...