Zugegriffen
Mehrere politische wie gesellschaftliche Revolutionen hat «Le nozze di Figaro» in ihrer knapp 230-jährigen Geschichte schon erlebt, wie Francis Hüsers, der Johannes Eraths Inszenierung als Dramaturg betreut, im Programmheft mit Recht hervorhebt. Die Adelskritik weist in Richtung französische Revolution, während die offene Thematisierung von nichtehelichen Beziehungen sogar für die Achtundsechziger noch interessant wirken konnte. Dennoch muss man, und das tut das Regieteam, auch hinterfragen dürfen, ob uns nicht andere Folgen dieser Revolutionen auch von dem Stück entfernt haben.
Erath und Hülsen interessieren sich dabei besonders für die Jungfräulichkeit, die für Figaro und den Grafen eine zentrale Kategorie darstellt, während sie heute in Beziehungen zwischen erwachsenen Menschen kaum noch eine Rolle spielt. Doch das dürfte im Theater ein geringeres Problem darstellen, als das Regieteam meint: Zum einen ist Jungfräulichkeit noch immer als Mythos wie auch als Symbol für die Exklusivität einer Beziehung lesbar; zum anderen ist die geradezu katalogartige Darstellung unehelichen Liebens und Verlangens ganz bewusst janusköpfig gehalten.
Erath aber will es genau wissen und siedelt die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Carsten Niemann
Nicola Sani, schon seit April 2011 als direttore artistico verpflichtet, trägt seit dem 5. Februar als Nachfolger von Francesco Ernani die Gesamtverantwortung für das Opernhaus an Bolognas Piazza Giuseppe Verdi – und hat sogleich einen Rekord aufgestellt: Mit einem Jahresgehalt von 110 000 Euro ist er der am schlechtesten bezahlte Chef unter den Leitern der großen...
Man ist überwältigt. Von der Fülle, von der Akribie, von der Schönheit, von der Fantasie, aber eben auch von der Wandlungsfähigkeit. Das Universum des Bühnenmenschen Jürgen Rose umfasst nicht nur das Bild einer Szene vom ersten Nagel bis zur letzten Dessous-Naht, sondern längst auch die Regie, das Dirigieren von Menschen im Raum, das Erfinden von Konzepten. Es ist...
«Verdi ist der am schwierigsten zu inszenierende Opernkomponist» – so Sergio Morabito 2013 in einem Interview. Verdis erfundene Wirklichkeiten beharren unerbittlich auf Ort, Raum und Zeit. Flotte Aktualisierung der Emotionen, Charaktere, Situationen und Geschichten, mit denen sie spielen, verfehlt ihren Sinn. Jossi Wieler und Sergio Morabito sind darum in ihrer...
