Überfluss und Kargheit
Man ist überwältigt. Von der Fülle, von der Akribie, von der Schönheit, von der Fantasie, aber eben auch von der Wandlungsfähigkeit. Das Universum des Bühnenmenschen Jürgen Rose umfasst nicht nur das Bild einer Szene vom ersten Nagel bis zur letzten Dessous-Naht, sondern längst auch die Regie, das Dirigieren von Menschen im Raum, das Erfinden von Konzepten. Es ist zudem eine Welt, die aus Überfluss und Kargheit besteht, aus akribisch belebter, nicht rekonstruierter Vergangenheit und unmittelbarer, poetisch überhöhter Gegenwart.
Eine künstliche Sphäre jenseits der unseren, aus Gold und Rupfen, Glimmer und Sand, Samt und rohem Holz, Tribalprints und Rocaillen.
Und ihm gelingt auf der Bühne immer eine Aura, die klug ist und trotzdem spontan wirkt, üppig und doch überraschungsvoll. Das ist bereits in einer seiner ersten Ausstattungen zu erleben, einer, die – ein wenig modifiziert – bis heute weltweit auf diversen Ballettbühnen zu sehen ist: der zu Prokofjews «Romeo und Julia» in der Choreografie von John Cranko. Was der südafrikanische Tanzschöpfer 1962 in dem damals 25-jährigen Ostdeutschen aus Bernburg an der Saale sah, das hat sich bis heute, mehr als 50 Jahre später erfüllt: eine ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Manuel Brug
Der Chef des Théâtre des Champs-Elysées hat im Grunde nur zwei Möglichkeiten, sein Haus in der Opernlandschaft der französischen Hauptstadt zu profilieren: entweder durch Werke, die es hier sonst nicht zu hören gibt, oder mit einer szenisch bzw. musikalisch besonderen Wiedergabe von Repertoirestücken. Mit Donizettis «Maria Stuarda» hat Michel Franck den ersten Weg...
Herr Kupfer, wann waren Sie eigentlich zuletzt in Ihrem ehemaligen Stammhaus, der Komischen Oper?
Das ist noch nicht so lange her. Ich wollte wissen, wie Barrie Kosky die «West Side Story» inszeniert hat. Ich hätte das Stück ja selbst gern auf die Bühne gebracht, in Dresden. Daraus wurde aber leider nichts, weil wir für unsere Spielfassung die Rechte nicht bekamen....
Dieser Geist durchwehte ja nicht nur Cosimas Bayreuth. Ein Eishauch, der das Werk einfrieren lässt, das doch nie nur Niederschrift ist, sondern dank sich immer weiterentwickelnde Realisierungen als Gegenwart existieren muss. Veränderungen, andere Sichtweisen – alles Teufelszeug. Wagner, Brecht, lange ließe sich die Reihe der Schöpfer und ihrer orthodoxen Gralshüter...
